25 Jahre nach Galtür - Lawinenschutz wirkt und wird stetig weiterentwickelt

Lawinenverbauung
Foto: BML / Alexander Haiden

Die Lawinenkatastrophe von Galtür im Februar 1999 war eines der größten Lawinenunglücke in der Geschichte Österreichs mit insgesamt 38 Todesopfern. 37 Hubschrauber aus fünf Staaten brachten 18.000 Menschen aus der Region in Sicherheit. Sie war somit auch die umfangreichste Evakuierungsaktion mittels Hubschraubern im Alpenraum.

Der Lawinenschutz in den Alpen ist eine Daueraufgabe, die einerseits stete Kontinuität in den Schutz- Vorbeugungsmaßnahmen erfordert, andererseits aber auch die laufende Weiterentwicklung und ständige Anpassung an neue Erkenntnisse auf allen Gebieten der aktiven und passiven Lawinenprävention und des Katastrophenmanagements erfordert.

Lawinenwinter 1999

Der Lawinenwinter 1999 war auch Ausgangspunkt für eine Reihe administrativer, organisatorischer, technischer, wissenschaftlicher und regulativer Weiterentwicklungen im aktiven und passiven Lawinenschutz in Österreich. Hervorzuheben sind dabei:

  • Ein permanentes Investitionsprogramm der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) in den Erhalt und den Ausbau von Lawinenschutzinfrastruktur,
  • eine Verschärfung des Abgrenzungskriteriums für eine Rote Lawinengefahrenzone im Gefahrenzonenplan (GZP),
  • der Ausbau und die Weiterentwicklung von Wetterbeobachtungs-, Mess- und Frühwarnstationen,
  • der Erhalt und Ausbau der Wirksamkeit von Schutzwäldern,
  • die wissenschaftlich fundierte Neuentwicklung der österreichischen Lawinensimulationsmodelle (AvaFrame) sowie
  • die Gründung eines eigenen Fachzentrums der WLV für Geologie und Lawinen mit Sitz in Tirol zur laufenden Entwicklung und Qualitätssicherung von Lawinensimulationsprogrammen, um Lawinenprozesse besser einschätzen zu können

HinweisHinweis

Investitionen in den Lawinenschutz in Tirol und Galtür seit 1999:

  • Seit 1999 wurden von der WLV-Sektion Tirol rund 275 Millionen Euro in den Lawinenschutz in Tirol investiert. (Bundesanteil von rund 52 % und Mittel aus dem Katastrophenfond in der Höhe von rund 142 Millionen Euro.)
  • In Galtür selbst wurden davon seit 1999 rund 16 Millionen Euro Gesamtmittel in 237 Bauwerke investiert.
  • Insgesamt wurden in Tirol seit Wirken der WLV (1884) rund 380.000 lfm Stahlschneebrücken errichtet – was einer Luftlinie von Wien nach Innsbruck entspricht.
  • Technische Lawinenschutzprojekte umfassen dabei insbesondere Anbruchverbauungen mittels Stahlschneebrücken, Lawinenschutzmauern bzw. Dämmen oder Lawinenleitwerke.
  • Derzeit gibt es zwei Großbaustellen der WLV in Galtür: die Predigtberg-Lawinen und die Pleissen- und Krachtentobel-Lawine – hier erfolgt die Errichtung von Stahlschneebrücken und Maßnahmen im Schutzwald bzw. zur Wiederbewaldung.
  • Ein wichtiger Bestandteil des passiven Lawinenschutzes ist die Gefahrenzonenplanung (GZP). Seit 1999 konnten zahlreiche große Gefahrenzonenpläne überarbeitet und an die geänderten Kriterien angepasst werden. Auch für die Gemeinde Galtür wurde der GZP nach Abschluss des großen Lawinenschutzprojektes revisioniert und 2009 ministeriell genehmigt. Dabei wurden die Wirkungen der zwischenzeitlich errichteten Schutzmaßnahmen und die Erkenntnisse aus dem Winter von 1999 mitberücksichtigt.
  • Auch andere bedeutende Tourismusgemeinden konnten seit 1999 mit einem modernen und zeitgemäßen GZP ausgestattet werden wie z.B. St. Anton am Arlberg, Sölden, Mayrhofen und Ischgl.
  • Neben der langfristigen Erhaltung der bestehenden technischen Schutzmaßnahmen kommt auch dem Schutzwald große Bedeutung zu. Laut Daten der Österreichischen Waldinventur besteht für einen erheblichen Teil der österreichischen Schutzwälder dringender Handlungsbedarf für Pflege, Verjüngung und Schutz gegen Risiken wie z.B. Sturm, Waldbrand, Lawinen und Schädlinge. Die Bundesregierung hat daher 2019 das Aktionsprogramm „Wald schützt uns!“ ins Leben gerufen.