Aktionsprogramm Schutzwald: Wald schützt uns!

Aktionsprogramm Schutzwald: Wald schützt uns!
Foto: BML

Die Schutzfunktion des Waldes spielt in Österreich eine zentrale Rolle für die nachhaltige Sicherung des Siedlungs- und Wirtschaftsraums sowie der Verkehrsachsen gegen Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag, Rutschungen und Hochwasser. Gleichzeitig stellen Schutzwälder multifunktional genutzte Flächen dar, als natürlicher Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als forstwirtschaftlich genutztes Gebiet, als Freizeit und Erholungsraum oder als Objektschutz, Retentionsraum, Standortschutz, Wasserspeicher und Luftfilter.

Laut Waldentwicklungsplan haben in Österreich 1,2 Mio. Hektar Wald eine primäre Schutzfunktion. Das sind 30% der Waldfläche Österreichs und entspricht fast der gesamten Siedlungsfläche Österreichs (1,25 Mio. Hektar). Wald schützt uns also umfassend – fast jede vierte Österreicherin und jeder vierte Österreicher profitiert vom Schutzwald als grüne, kostengünstige und nachhaltig wirkende Schutzinfrastruktur direkt. Der Erhalt und die Verbesserung der Schutzfunktion der Wälder ist deshalb eine zentrale Aufgabe der österreichischen Forstpolitik.

Warum Aktionsprogramm Schutzwald?

Auf den ersten Blick verfügt Österreich über eine ausgezeichnete Waldausstattung, auch die Schutzwälder sind ausreichend vorhanden. Allerdings zeigen sich zunehmende Stress- und Risikofaktoren, die vor allem auf die steigenden Einflüsse des gesellschaftlichen und klimatischen Wandels zurückzuführen sind. Auch der teilweise hohe Wildeinfluss in Österreich führt zu mangelnder Verjüngung. Aufgrund des aktuellen Befundes besteht aus heutiger Sicht dringender Handlungsbedarf, wenn die Schutzfunktion des österreichischen Waldes, insbesondere der Objekt- und Standortschutzwälder nachhaltig gesichert werden soll.

Aktuelle Herausforderungen

  • Strukturelle Überalterung: 34% der Schutzwaldflächen sind laut der Österreichischen Waldinventur in der Terminal- oder Zerfallsphase – auf rund 300.000 ha Fläche besteht akuter Handlungsbedarf für Pflege- und Verjüngungsmaßnahmen.
  • Erhöhte gesellschaftliche Nutzungsansprüche: Österreicherinnen und Österreicher verbringen immer mehr Zeit in der Natur.
  • Hoher Wildeinfluss: Die schädigende Wirkung eines hohen Wildeinflusses für den Schutzwald (Verbiss, Schälschäden), insbesondere für seine nachhaltige Verjüngung, steht außer Streit und stellt in manchen Regionen in Österreich ein akutes Problem dar.
  • Klimarisiken: Der Klimawandel und damit vermehrt auftretende Extremwettereignisse wie Dürre, Starkregen, Waldbrand, Lawinen (Schneedruck) und Stürme belasten den Schutzwald in seiner Funktionalität.
  • Schutzwaldbewirtschaftung: Die Bewirtschaftung der Schutzwälder wird für Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer zunehmend unwirtschaftlich.
Aktionsprogramm Schutzwald mit 4 Zielkorridoren und 10 Leuchttürmen
Aktionsprogramm mit 4 Zielkorridoren und 10 Leuchttürmen

Wald schützt uns – daher braucht es starke Antworten

Anlass für die unmittelbare Erstellung des Aktionsprogramms Schutzwald im Jahr 2019 waren die in verschiedenen Studien und Prüfberichten vom Rechnungshoffestgestellten Defizite und Risiken sowie die Folgen der jüngsten Extremereignisse. Im Auftrag der ehemaligen Bundesministerin Elisabeth Köstinger wurde das Aktionsprogramm Schutzwald von einem Fach-Team des BML, der Wissenschaft- und Forschung, Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern, von Expterinnen und Experten der Jagd, des  Umwelt- und Naturschutzes, des Tourismus und anderen Stakeholdern erarbeitet und beschlossen. Das Aktionsprogramm umfasst 10 Leuchtturmprojekte in 4 Zielkorridoren und insgesamt 35 Maßnahmen (Meilensteine), die entsprechend des aktuellen Regierungsprogramms bis zum Jahr 2024 vollständig umgesetzt werden sollen.

Ziele und Inhalte des Aktionsprogramms

  • Rasche Wiederherstellung bzw. Ausbau der Schutzfunktionalität der Wälder in Österreich erreichen: Im Schutzwald ist der Schutzzweck übergeordnet.
  • Verstärktes Bewusstsein dafür entwickeln, welche Leistungen der Wald zum Schutz des Eigentums und Lebensraums leistet – damit Begünstigte zu Beteiligten machen.
  • Schutzwälder werden klimafit und resilienter gegen biotische und abiotische Gefahren und deren Folgewirkungen.
  • Raumnutzungsansprüche an den Schutzwald sind nachhaltig und ausgewogen.
  • Akteure, die den Nutzen haben, beteiligen sich angemessen an den Maßnahmen zur Sicherung des Schutzwaldes.
  • Die Bewirtschaftung der Schutzwälder soll für Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer attraktiv sein.
  • Schutzwald ist wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
  • Forschung und Ausbildung erweitern die Wissensbasis für Anpassungen im Schutzwald.
  • Das Schutzwaldmanagement erfolgt effizient und wirkungsorientiert.
  • Auch über Grenzen hinaus ist eine europäische Schutzwaldpolitik notwendig.
Bannwald in Hallstatt
Bannwald Hallstatt

Handlungsschwerpunkte

  • Rechtssicherheit und Planungssicherheit: Das Aktionsprogramm legt eine bundeseinheitliche Darstellung der Schutzwaldflächen in Österreich fest. Ziel ist die effiziente Unterstützung von Forstbehörden und Waldeigentümerinnen sowie Waldeigentümern, durch ein GeoDaten-Portal und Digitalisierung.
  • Handlungsbedarf sichtbar machen: Eine abgestimmte Priorisierung der Schutzwaldflächen mit erhöhtem Sanierungsbedarf steuert erforderliche Maßnahmen nachhaltig.
  • Bundesweite Waldtypisierung erreichen: Die Umsetzung einer bundesweiten Waldtypisierung auf Schutzwaldflächen unter Berücksichtigung des Klimawandels ermöglicht ein auf den Standort abgestimmtes Behandlungskonzept für den Schutzwald.
  • Planungseinheiten regionalisieren: Es ist ein zentrales Ziel den Schutzwald als Regionenthema zu positionieren, in dem größere Planungseinheiten (Gemeinde, Talschaft) durch angepasste Beratungsleistung als Integralplanung angeboten werden.
  • Raumplanungsagenden integrieren: Die Verschränkung der lebensraumorientierten und wildökologischen Raumplanung mit Aspekten des Naturgefahrenmanagements, der allgemeinen sowie forstlichen Raumplanung, Biodiversität, Tourismus und Betriebswirtschaft sind sektorenübergreifend abzustimmen.
  • Solidarität fördern: Die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Kooperationsformen der Schutzwaldpflege zwischen Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer und Begünstigten (wie z.B. Genossenschaften, Verbände, Vertragsschutzwald) sind zu schaffen und auf lokaler bzw. regionaler Ebene zu implementieren.
  • Innovationspotentiale nützen: Technologische Potenziale werden stärker strukturell unterstützt und ausgeschöpft, wie z.B. im Bereich Fernerkundungsdaten, Digitalisierung oder Folgeabschätzungen von Extremwetterereignissen (Klimaszenarien). Ebenso soll die Technologisierung der Holzernte und Wertschöpfungskette im Schutzwald forciert werden.
  • Schutzwald im Bewusstsein der Gesellschaft: Schutzwald soll in das öffentliche Bewusstsein der Menschen gerückt werden und als Element der Daseinsvorsorge erkannt werden.

Geplante Umsetzungsmeilensteine 2020

Diese und zahlreiche weitere Aktionen sind auf eine langfristige und nachhaltige Erhaltung und Verbesserung der Schutzfunktion ausgelegt.

  • Das Schutzwaldzentrum Traunkirchen am Waldcampus Österreich wird eingerichtet.
  • Einheitliche Geoinformationen sind bundesweit verfügbar und veröffentlicht.
  • Lehrmittel zum Thema Schutzwald sind für Schulen verfügbar.
  • Die Öffentlichkeitskampagne 2020 stärkt das Bewusstsein für den Schutzwald.
  • Der einheitliche digitale Schutzwaldplan für ganz Österreich ist abrufbar.
  • Das Schutzwald-Investitionsprogramm des Bundes ist genehmigt und ein Fördersystem eingerichtet.
  • Die Maßnahmenpläne für das Programm „Ländliche Entwicklung“ (LE 2021-27) werden präsentiert.
  • Das Pilotprojekt Erfolgskontrolle „regionale Schutzwaldmaßnahmen“ wird abgeschlossen.

Gemeinsam für den Schutzwald

Viele Österreicherinnen und Österreicher sowie internationale Gäste profitieren von der Schutzfunktion des Waldes ohne davon zu wissen. Das Bewusstsein in der Gesellschaft für die Waldleistungen wird mit dem Aktionsprogramm gestärkt. Zu diesem Zweck werden Informationen, Veranstaltungen und Preise bundesweit und regional organisiert.

Das vorliegende Aktionsprogramm Schutzwald ist der Startschuss für eine konsequente Verbesserung und zukunftsorientierte Entwicklung unserer Schutzwälder. Dafür sollen pro Jahr zukünftig rund € 30 Mio. an Bundesmitteln direkt oder indirekt in Maßnahmen zur Verbesserung und Erhaltung der Schutzwirkung des Waldes investiert werden.

Die Umsetzung ist Verbundaufgabe der vielen Stakeholder wie Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer, Jagd, Tourismus, Gemeinden, Länder, Bund und der Gesellschaft. Zentrales Element ist ein dauerhafter Dialog der Akteure, sowohl auf Bundesebene als auch in den Ländern, Regionen und Gemeinden. Die Kooperation zwischen Schutzwaldmanagement und Jagdwirtschaft zählt dabei zu den zentralen Achsen.

Zu den Publikationen: