Projekte und Kooperationen

Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) trägt in Österreich eine zentrale Verantwortung für den Schutz von Menschen, Siedlungen, Verkehrswegen und wichtigen Infrastrukturen vor Naturgefahren wie Wildbächen, Lawinen, Muren, Rutschungen und Steinschlag. Um diesen Auftrag unter sich verändernden Rahmenbedingungen – etwa Klimawandel, zunehmende Raumnutzung und wachsende Schadenspotenziale – erfüllen zu können, setzt die WLV auf vielfältige Projekte: von Planung, Bau und Erhaltung der Schutzmaßnahmen über Schutzwaldpflege und Gefahrenzonenplanung bis hin zu Forschung, Entwicklung und Bewusstseinsbildung. Diese Projekte entstehen selten im Alleingang. In enger Kooperation mit Gemeinden, Ländern, Bundesstellen, Wissenschaft, Forst- und Wasserwirtschaft, Einsatzorganisationen und internationalen Partnern werden Wissen gebündelt, Ressourcen effizient genutzt und innovative Lösungen entwickelt. So entsteht ein vernetztes Naturgefahrenmanagement, das regional verankert ist und gleichzeitig österreichweit und darüber hinaus wirkt.

Maßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung

WLV - Projekte und technische Schutzbauwerke

Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) setzt auf vielfältige Projekte in den verschiedenen Bereichen von technischen Schutzmaßnahmen, forstliche (Schutzwald) und ingenieursbiologische Schutzmaßnahmen, Gefahrenzonenplanung bis zu Forschung, Entwicklung und Bewusstseinsbildung. Einen absoluten Schutz vor Naturgefahren gibt es nicht. Es gibt jedoch Möglichkeiten durch entsprechende Schutzmaßnahmen, z.B. Schutzbauwerke, das Risiko deutlich zu reduzieren. Allgemein versteht man unter Schutzbauwerken Verbauungen, die menschlichen Siedlungsraum vor Naturgefahren schützen. Je nach Funktion unterscheidet man unterschiedliche Bauwerke.

Kooperationen und Netzwerke

Kooperationen und Netzwerke sind für die Wildbach- und Lawinenverbauung unverzichtbar, weil wirksamer Schutz vor Naturgefahren nur gemeinsam gelingt. Die WLV ist zwar die maßgebliche Planungs- und Koordinierungsstelle für Schutzmaßnahmen bei Wildbächen, Lawinen und Erosion, doch Risikomanagement berührt viele weitere Bereiche – von Raumplanung, Forst- und Wasserwirtschaft über Gemeinden und Länder bis hin zu Wissenschaft und Einsatzorganisationen. Durch enge Zusammenarbeit auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene sowie in europäischen und internationalen Netzwerken werden Fachwissen gebündelt, Erfahrungen ausgetauscht und innovative Projekte umgesetzt. Diese Kooperationen ermöglichen integrale, präventive Lösungen, die technische Verbauungen, Schutzwald, Monitoring, Geodaten, Bildung und Bewusstseinsarbeit verbinden und so die Sicherheit der Bevölkerung langfristig stärken.



 

Projekte der WLV - Eine Auswahl

Zum Schutz der Bevölkerung vor Naturgefahren setzt die Wildbach- und Lawinenverbauung Projekte in ganz Österreich um.

GeoMonitorAT: Programm zur Prävention großer Massenbewegungen

Rutschung in der Gemeinde Doren, Vorarlberg
Rutschung in der Gemeinde Doren, Vorarlberg. Foto: Gemeinde Doren

Mit dem Aktionsprogramm GeoMonitorAT baut das Bundesministerium ein bundesweit koordiniertes Monitoringsystem für große Massenbewegungen auf. Ziel ist die Entwicklung und Umsetzung der essenziellen Maßnahmen für eine Früherkennung und Beobachtung kritischer (akuter) Massenbewegungen, die Ableitung der damit verbundenen Risiken sowie die Umsetzung und Finanzierung der erforderlichen Präventionsmaßnahmen im Rahmen des nationalen Naturgefahren-Risikomanagements. Die Steuerung des Programms liegt beim Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK).

Die Umsetzung erfolgt durch die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) gemeinsam mit Partnern wie GeoSphere Austria (GSA), dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), den Landesgeologischen Diensten sowie den einschlägigen wissenschaftlichen Einrichtungen in Österreich.

Genutzt werden hierbei moderne Satelliten-, Sensor- und Fernerkundungstechnologien sowie bestehende Daten, die zusammenführt werden. 

Weitere Informationen: www.geomonitor.at

Muren-Monitoring Rauris „MurMo“:
Muren besser verstehen, vorhersagen und davor schützen

Murkegel
Murkegel, 

Das Projekt „Muren-Monitoring Rauris“ (kurz MurMo) beschäftigt sich mit dieser unterschätzten Naturgefahr im Alpenraum. Muren sind ein Gemisch aus Wasser und Geröll und haben dadurch ein hohes Zerstörungspotential.

Im Auftrag der Wildbach- und Lawinenverbauung untersucht das Institut für Alpine Naturgefahren der Universität für Bodenkultur zwei sehr unterschiedliche Wildbäche in Salzburg, den Teufenbach und den Lachegggraben im Gebiet von Rauristal. Die beiden Einzugsgebiete sind hinsichtlich Geologie, Vegetation und Höhenlage sehr unterschiedlich und bieten daher ideale Bedingungen für eine Analyse unterschiedlicher Murgänge.

Im Mittelpunkt steht der Aufbau eines umfassenden Monitoring-Netzwerks, das Murenereignisse von ihrer Entstehung bis zur Ablagerung im Gelände erfasst. Insgesamt leistet das Projekt damit einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis alpiner Naturgefahren im Zusammenhang mit den klimatischen Veränderungen in inneralpinen Einzugsgebieten.

Weitere Informationen zum Projekt unter Muren-Monitoring Rauris

Großhangrutschung Gschliefgraben Oberösterreich

Gschliefgraben
Rutschung in der Gemeinde Doren, Vorarlberg. Foto: Gemeinde Doren

Der Gschliefgraben ist ein murfähiger Wildbach, der aufgrund seiner Geologie ein sehr hohes Gefährdungspotenzial für den besiedelten Schwemmkegel mit sich bringt. Im Jahr 2007 ist es nach Durchfeuchtung des Bodens zu einer Großhangrutschung (Erdschuttstrom) gekommen. Im Zuge der Ereignisse, mussten aus Sicherheitsgründen kurzfristig alle Häuser am rund 1,0 km breiten Schwemmkegel evakuiert werden. Zum Schutz des Dauersiedlungsraumes wurden von der Wildbach- und Lawinenverbauung Sofortmaßnahmen und 2 Schutzprojekte umgesetzt (Bauzeit: 2007-2017, Gesamtkosten rund 15 Mio. Euro - zum Vergleich: bei Untätigkeit hat die Versicherungswirtschaft einen Schaden von 30 Mio. € festgestellt).

Ziel des Schutzprojektes ist es, durch umfangreiche Maßnahmen die bestmögliche Stabilisierung der Erdstrommassen zu erreichen, das verbleibende Gefährdungspotenzial nachhaltig zu senken und Schäden am Siedlungsraum und Infrastrukturen zu verhindern.

Weitere Informationen unter schutzwald.at und auf naturgefahren.at

Potenzial-Studie Satellitendaten Auswertung

Projektbild Satellitendaten
Automatisierte Lawinenkartierung aus SPOT-Daten (Quelle: BFW)

Ziel dieser Studie der Wildbach und Lawinenverbauung (WLV) gemeinsam mit dem BFW (Bundesforschungszentrum für Wald, Institut für Naturgefahren) war es zu untersuchen, wie Satellitendaten künftig bei der Beobachtung von Schnee- und Lawinenprozessen sowie von Schutzwäldern eingesetzt werden können. Dazu wurden Satellitendaten in mehreren Tiroler Bezirken sowie in einem Untersuchungsgebiet im Hinteren Ötztal analysiert. Die Studie diente vor allem dazu, neue Methoden zu testen und Erfahrungen zu sammeln, um im Ereignisfall großflächig Daten erheben und auswerten zu können. 

Im Bereich Schutzwald lag der Fokus auf der Erkennung von Waldstörungen, etwa durch Stürme oder Borkenkäfer. Beim Thema Schnee und Lawinen wurde untersucht, ob sich Schneehöhen aus hochauflösenden Satellitenbildern berechnen lassen. 

Insgesamt zeigt die Studie, dass optische Satellitenfernerkundung eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Mess- und Kartierungsmethoden darstellt. Sie ermöglicht eine regelmäßige, großflächige Beobachtung von Waldzuständen und Schneeverhältnissen.

Weitere Informationen unter naturgefahren.at

Augstbach und Loser in der Steiermark: Hochwasserrückhaltebecken, Geschieberückhalt und Lawinenauffangdamm

Lawinenauffangdamm
Lawinenauffangdamm (Südhang Loser-Stock), Quelle: die.wildbach

Teile des Siedlungsraumes der Gemeinde Altaussee in der Steiermark sind von Lawinen und Hochwasser gefährdet. Durch Schutzmaßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung in den Projekten Augstbach und Loser soll die Gefährdungssituation nachhaltig verringert werden.

Im Rahmen des Projektes Augstbach wurde ein Hochwasserrückhaltebecken sowie ein Geschieberückhalt errichtet, um die Gemeinde vor Hochwasser zu schützen. Das Loser-Projekt zielt darauf ab, die im Gefahrenbereich der Loserlawinen befindlichen Ortsteile (Posern, Hinterposer, Moos, Thörl, Scheiben und Fischerndorf) durch die Errichtung eines Lawinenauffangdammes und permanenten Lawinenverbauungen zu schützen. Zusätzlich soll durch flächenwirtschaftliche Maßnahmen auch die Funktion des Schutzwaldes verbessert werden.

Weitere Informationen unter naturgefahren.at