Muren-Monitoring Rauris
Das Projekt „Muren-Monitoring Rauris“ (kurz MurMo) beschäftigt sich mit dieser unterschätzten Naturgefahr im Alpenraum. Muren sind ein Gemisch aus Wasser und Geröll und haben dadurch ein höheres Zerstörungspotential. Ziel des Projekts ist es, solche Ereignisse besser zu verstehen, frühzeitig vorherzusagen und dadurch Schutzmaßnahmen zu verbessern.
Im Auftrag der Wildbach- und Lawinenverbauung untersucht das Institut für Alpine Naturgefahren der Universität für Bodenkultur zwei sehr unterschiedliche Wildbäche in Salzburg, den Teufenbach und den Lachegggraben im Gebiet von Rauristal. Die beiden Einzugsgebiete sind hinsichtlich Geologie, Vegetation und Höhenlage sehr unterschiedlich und bieten daher ideale Bedingungen für eine Analyse unterschiedlicher Murgänge.
Im Mittelpunkt steht der Aufbau eines umfassenden Monitoring-Netzwerks, das Murenereignisse von ihrer Entstehung bis zur Ablagerung im Gelände erfasst. Dabei soll unter anderem geklärt werden, unter welchen Bedingungen Muren entstehen, wie viel Wasser für die Auslösung derartiger Prozesse nötig ist, wie sich die Muren im Bachbett bewegen und wo das Material schließlich abgelagert wird. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, Muren künftig besser vorherzusagen und Schäden an Infrastruktur und Siedlungen zu verringern.
In beiden Untersuchungsgebieten wurde dafür ein ähnliches, umfassendes Mess- und Beobachtungssystem entlang der gesamten Bachläufe aufgebaut. Dieses besteht im Kern aus einer Kombination von meteorologischen Messungen im oberen Einzugsgebiet, Abfluss- und Fließmessungen im Gerinne sowie einer Reihe von Sensoren und Kameras entlang des Bachverlaufs. Ergänzt wird das System durch geophysikalische Sensoren, die Erschütterungen und Bewegungen im Untergrund erfassen und so Rückschlüsse auf Geschwindigkeit und Intensität von Muren zulassen.
Ziel dieses einheitlichen Aufbaus ist es, den gesamten Prozess einer Mure möglichst vollständig abzubilden – von den ersten Niederschlägen über die Auslösung im Hangbereich bis hin zur Bewegung im Bachbett und der Ablagerung. Die Systeme sind jeweils energieautark ausgelegt und für den Einsatz unter extremen alpinen Bedingungen konzipiert. Zusätzlich können im Ereignisfall Drohnen eingesetzt werden, um Geländeveränderungen und Ablagerungsbereiche detailliert zu dokumentieren. Da in beiden Gräben im Jahr 2023 ein Murereignis stattgefunden hat, sind wichtige Vergleichsdaten im Rahmen der Ereignisdokumentation verfügbar.
Insgesamt leistet das Projekt damit einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis alpiner Naturgefahren im Zusammenhang mit den klimatischen Veränderungen in inneralpinen Einzugsgebieten. Durch die Kombination aus kontinuierlicher Messung, moderner Sensortechnik und detaillierter Geländeanalyse entsteht eine umfassende Datengrundlage, die es ermöglicht, Risiken künftig besser einzuschätzen. Langfristig kann dieses Wissen dazu beitragen, Schutzmaßnahmen gezielter zu planen und die Sicherheit in alpinen Regionen nachhaltig zu erhöhen.