Hochwasser und Muren
Bei Hochwasser und Muren handelt es sich um hydrologische Naturgefahren.
Als Hochwasser bezeichnet man einen Zustand, bei dem ein Gewässer (Wildbach, Fluss, See, Meer) aufgrund von starken Niederschlägen oder Schmelzwasser stark ansteigt und die Uferbereiche überschwemmt. Hochwasser entstehen, wenn die Dauer von Niederschlagsereignissen und/oder die Intensität deutlich über dem normalen Ereignis liegt oder intensive Schneeschmelze eintritt.
Vermischt sich das abfließende Wasser mit Geröll entsteht eine Mure. Durch hohe Geschwindigkeiten und einer hohen Dichte haben Muren ein besonders hohes Zerstörungspotential.
Trifft Regen auf die Erdoberfläche, versickert ein Teil des Wassers im Boden. Ein weiterer Teil trägt zur Entstehung von Grundwasser bei. Wieviel Niederschlag versickert, hängt von der Art des Bodens im Einzugsgebiet des Baches ab. Wenn Böden bereits wassergesättigt sind, gefroren oder stark versiegelt, kann nur wenig Wasser versickern; der Anteil des Oberflächenabflusses steigt und die Zuflüsse in Bäche und Flüsse nehmen rasch zu. Hauptursachen für Hochwasser sind langanhaltende oder sehr intensive Niederschläge, rasche Schneeschmelze oder eine Kombination aus beidem. In engen Tälern oder Wildbacheinzugsgebieten können so binnen kurzer Zeit stark erhöhte Abflussspitzen entstehen. In großen Flusssystemen baut sich das Hochwasser über Tage oder Wochen auf. Veränderungen der Landnutzung, zum Beispiel die Verbauung natürlicher Überschwemmungsflächen, Begradigungen von Flussläufen oder Entwaldung, verstärken Hochwassergefahren, da natürliche Speicher- und Retentionsräume verloren gehen.
Muren entstehen, wenn in einem Wildbacheinzugsgebiet ausreichend lockeres Material vorhanden ist und dieses durch Wasser mobilisiert wird. Zunächst baut sich ein „Feststoffpotenzial“ aus Geröll, Feinmaterial und Holz auf, das durch Verlagerungsprozesse im Gerinne, frühere Rutschungen oder Verklausungen entsteht. Kommt es zu intensiven Niederschlägen oder rascher Schneeschmelze, steigt der Abfluss im Wildbach an. Das Wasser löst Boden- und Schuttmaterial, unterspült Uferbereiche und beginnt weiteres Material zu transportieren. Wird eine kritische Kombination aus Gefälle, Wasserabfluss und Feststofftransport überschritten, entsteht ein Murgang. Häufig beginnen Muren mit einem kleineren Rutsch oder dem Bruch einer Verklausung (z. B. durch Holz verlegte Durchlässe), die plötzlich große Materialmengen freigeben. Die Wucht des Murgangs hängt von seinem Volumen, der Hangneigung und der Fließgeschwindigkeit ab und kann sich in engen Gerinnen weiter verstärken.