Hinweiskarte Schutzwald

Die evaluierte Hinweiskarte Schutzwald stellt anhand wissenschaftlich definierten Kriterien die potentielle Schutzwaldkulisse im gesamten Bundesgebiet Österreichs dar und soll das Bewusstsein für die „grüne“ Schutzinfrastruktur stärken.

Als wichtiges Planungsinstrument dient sie nicht nur dem integralen Naturgefahrenmanagement, sondern soll speziell in der Waldbewirtschaftung auf die potentielle Schutzfunktion aufmerksam machen. Die Grundlage für eine vorausschauende Planung und das Setzen von Maßnahmen im Schutzwald zur nachhaltigen Sicherung seiner Schutzwirkung sind flächenhafte Geoinformationen.

Die Hinweiskarte Schutzwald dient als Serviceinstrument für Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer, für Behörden, im Naturgefahrenmanagement und darüber hinaus vor allem zur Kommunikation und Bewusstseinssteigerung für diese wichtige Funktion des Österreichischen Waldes.

Kartendienst

Die Hin­weis­kar­te der po­ten­ti­el­len Stand­ort- und Ob­jekt­schutz­wäl­der in Ös­ter­reich ist in einer öffentlich zugänglichen Web-GIS-Kartenapplikation abrufbar. Für dieses kostenlose Servicetool ist kein Login erforderlich.

Folgende Fachlayer werden kategorisiert und können bundesweit abgerufen werden:

  • Wald mit Objektschutzfunktion
  • Wald mit Objekt- und/oder Standortschutzfunktion
  • Wald ohne vorrangige Schutzfunktion

Als Verwaltungsgrundkarte wird im Hintergrund die Open Source Karte - Basemap - eingeblendet.

Datengrundlagen

Die Hinweiskarte Schutzwald basiert auf flächenhaften Geodaten, die Naturgefahrenprozesse wie Steinschlag, Lawinen und oberflächennahe Rutschungen mittels Dispositions- und Reichweitenmodellierungen in einem Geoinformationssystem automatisiert ausweist. Diese Information verschnitten mit dem Wald sowie gefährdeten Objekten, wie Siedlungen, Straßen oder anderen wichtigen Infrastrukturen zeigt potentielle Waldflächen mit einer Objektschutzfunktion.

Ergänzend werden in der Kategorie Wald mit Objekt- und/oder Standortschutzfunktion potentielle Waldflächen dargestellt, die gemäß Forstgesetz 1975 die Kriterien zum Standortschutz aufweisen. Diese sind vor allem Wälder, deren Standort vor abtragenden Kräften von Wind, Wasser oder Schwerkraft gefährdet sind. Ebenfalls in dieser Kategorie sind jene Flächen enthalten, die auf Wasserprozesse wie Muren oder geschiebeführende Hochwässer einen deutlich positiven, also abmindernden Effekt, aufweisen. Windschutzanlagen, die beispielsweise landwirtschaftliche Flächen vor Winderosion schützen, sind ebenfalls in dieser Kategorie umfasst.

Durch die eingehende Evaluierung und dem Einbringen lokaler Expertise von den zuständigen Landesforstdiensten, Bezirksforstinspektionen sowie den Dienststellen der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) wurde die automatisiert erstellte Kulisse intensiv auf Plausibilität geprüft und gegebenenfalls auf aktuelle Bedingungen vor Ort angepasst und adaptiert. Die nun vorliegende Hinweiskarte Schutzwald vereint somit eine klar abgegrenzte wissenschaftliche Methodik mit der Ortskenntnis und den Erfahrungen im Gelände.

Die Kulisse potentieller Schutzfunktionsflächen ist in ständiger Veränderung und ist dynamisch zu betrachten. Kommt es zum Bau neuer Häuser, Straßen oder anderen Infrastrukturen, kann sich dadurch die Kategorie Wald mit Objektschutzfunktion ändern. In einem Drei-Jahres-Intervall wird daher seitens des BMLRT ein möglicher Änderungsbedarf bei den lokalen und regionalen Forstbehörden abgefragt.

Fakten

Die Hinweiskarte visualisiert explizit die Schutzfunktion (nicht die Wirkung, die abhängig vom aktuellen Waldzustand wäre). In dieser Darstellungsform wird derzeit nicht die Möglichkeit einer Förderung bzw. eine besondere Behandlung abgebildet. Es besteht keine rechtliche Bindung. Hingewiesen wird, dass sogenannte „Feststellungsverfahren bei Schutzwald“ (laut § 23 ForstG 1975) ausschließlich von den zuständigen Behörden (Landesforstdirektionen, Bezirksforstinspektionen) durchgeführt werden.

Schutzwaldmanagement

Mit dem im Ak­ti­ons­pro­gramm „Wald schützt uns!“ festgelegten Meilenstein „Geoinformationen online“ (Leucht­turm „Schutz­wald ein­fach ver­wal­ten und ge­stal­ten“) sollen strategische und zukunftsorientierte Aspekte für eine nachhaltige Schutzwaldpolitik initiiert werden. Aus diesem Grund wird mit einer risikobezogenen Bewertung und Klassifizierung der Schutzfunktion eine zukünftige Grundlage für eine Prioritätensetzung für Maßnahmenplanung (Darstellung des Sanierungsbedarfs – Meilenstein 2023), Investitions- und Fördermanagement und Bewirtschaftung im Schutzwald etabliert. Die Planungen werden laufend den natürlichen und gesellschaftlich bedingten Änderungen angepasst und die Maßnahmen darauf abgestimmt. Die Darstellung der Hinweisbereiche potentieller Schutzfunktionsflächen kann in weiterer Folge für die Erstellung der Landesschutzwaldkonzepte herangezogen werden.

Veröffentlicht am 15.12.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)

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