Schäden durch alpine Naturkatastrophen

Sachschaden durch Wildbachereignisse und Personenschäden

In Österreich werden Jahr für Jahr eine Vielzahl von Sach- und Personenschäden durch Lawinen, Hochwasser, Felsstürze, Steinschlag, Muren und Rutschungen verursacht.

Trotz der großen Häufigkeit des Auftretens ist nur wenig über das durch diese Naturgefahren verursachte Schadensausmaß bekannt. Das liegt unter anderem daran, dass die Bewertung von Schäden ein sehr subjektiver Vorgang ist. Es müssen weiters neben den direkt erkennbaren Schäden auch Folgeschäden abgeschätzt werden, die oft zeitverzögert bzw. über einen längeren Zeitraum für den Einzelnen, für Kommunen, Firmen oder die gesamte Volkswirtschaft schlagend werden.

Außerdem fehlt in Österreich ein System zur umfassenden und einheitlichen Schadenserfassung. Katastrophenschäden werden in Österreich von verschiedenen Institutionen (Länder, Kammern, Versicherungen) mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Methoden erhoben. Die Daten sind daher kaum direkt vergleichbar.

Schäden durch Wildbachereignisse (1972 – 2004)

Die Dokumentation von Wildbachschadensereignissen erfolgte bisher mittels standardisierter Schadensformulare. Diese enthielten Angaben über Schadensursachen und Auswirkungen. Die Auswirkungen von Sachschäden wurden dabei u.a. über Anzahl und Nutzungsart der betroffenen Raumelemente beschrieben. Es erfolgt jedoch - mit Ausnahme der Abschätzung der benötigten Mittel für Schutzmaßnahmen - keine weitere monetäre Schadensfeststellung.

Um den finanziellen Schaden der von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung dokumentierten Wildbachereignisse abschätzen zu können, wurden im Rahmen eines Projektes des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums für Wald-, Naturgefahren und Landschaft (BFW) und der Universität für Bodenkultur (BOKU) prozess- und objektspezifische „Vulnerabilitätsfaktoren“ entwickelt bzw. aus der Literatur entnommen, und damit rund 5.000 in der Datenbank des BFW gesammelte Schadensereignisse monetär bewertet. Das mit dieser Methode berechnete Gesamtschadensausmaß für Wildbachereignisse (Objektschadensausmaß inklusive Aufräumkosten) belief sich im Untersuchungszeitraum von 1972-2004 auf 965 Millionen €.

Einzelne Naturkatastrophen haben in Österreich zu vergleichsweise exzessiven Schäden geführt: Die Hochwasserkatastrophe 2002 verursachte Schäden in der Höhe von € 2,9 Mrd., jene des Jahres 2005 immerhin von ca. € 592 Mio.

Räumliche Verteilung der Schadenssummen (Wildbachereignisse)

Die Auswertung der Schadensdatenbank des BFW ergab für das Bundesland Salzburg den größten Anteil an direkten Sachschäden (21%), gefolgt von der Steiermark (18,2%). Auf Bezirksebene konzentrierten sich die meisten Ereignisse auf den rand- und inneralpinen Teil Österreichs. Der am stärksten von Sachschäden durch Wildbachereignisse betroffene Bezirk ist Zell am See mit 111  Mio. € Schadenssumme. Die in diesem Bezirk liegende Gemeinde Saalbach-Hinterglemm trägt dabei mit einer Gesamtschadenssumme von 45 Mio. € den Löwenanteil.

Stellt man die Anzahl der Ereignisse pro Bezirk dem Gesamtschadensausmaß gegenüber, zeigt sich, dass die Anzahl der Ereignisse nicht zwangsläufig mit der Schadenshöhe korrelieren muss. Beispielsweise ereigneten sich im Bezirk Kufstein innerhalb des Auswertungszeitraumes nur 34 Ereignisse, trotzdem weist der Bezirk die zweithöchste Gesamtschadenssumme (39 Mio. €) auf.

Personenschäden

Obwohl bisher in Österreich keine einheitliche statische Erfassung von Personenschäden durch Naturkatastrophen durchgeführt wurde, ist aus den verfügbaren Quellen ableitbar, dass das Todesrisiko durch Naturereignisse in Relation zu anderen Todesursachen „vernachlässigbar“ gering ist. Eine Ausnahme stellen Lawinen und Wildbäche dar, welche bei besonders extremen Katastrophen immer wieder hoher Opferzahlen fordern.

Wie die Statistik der Todesopfer durch Wildbäche und Lawinen auf Grundlage der Gefahrenzonenpläne der Wildbach- und Lawinenverbauung zeigt, können die Opferzahlen durch Wildbachkatastrophen bis zu 70 Personen pro Jahr, durch Lawinenkatastrophen bis zu 260 Personen pro Jahr erreichen. In der jüngeren Vergangenheit hat die Zahl der Todesopfer durch Lawinen („Weißer Tod“) stark zugenommen und liegt bei durchschnittlich 30,3 Personen pro Jahr (1980 – 2005). Diese hohe Opferzahl ist jedoch vor allem auf die Lawinenunfälle im hochalpinen Bereich und außerhalb der gesicherten Pisten zurückzuführen.

Veröffentlicht am 05.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)