Räumliche Verteilung gravitativer Massenbewegungen in Österreich

Räumliche Verteilung gravitativer Massenbewegungen in Österreich

Kartographische Darstellung von Ereignissen gravitativer Massenbewegungen in Österreich (mit speziellem Fokus auf das Bundesland Niederösterreich)

Österreich ist ein gebirgiges Land. Demzufolge sind auch gravitative Massenbewegungen als geomorphologische Reliefausgleichsprozesse keine Seltenheit. So sind allein aufgrund der geologischen Beschaffenheit des Untergrundes, des Reliefs und des Klimas stürzende Prozesse vor allem in den hochalpinen Bereichen verbreitet, während tiefgründige Felsbewegungen in ehemals vergletscherten Gebieten häufig sind und flachgründige Massenbewegungen im Lockergestein überwiegend dort entstehen, wo rutschungsanfällige Lockergesteine vorkommen (z.B. in den Flysch- und Klippenzonen Nieder- und Oberösterreichs sowie in tiefgründig verwitterten Tertiärgebieten).

Aber auch durch Eingriffe des Menschen wurde und wird vielerorts in das natürliche Hangleichgewicht dahingehend eingegriffen, dass gravitative Massenbewegungen, beispielsweise aufgrund veränderter Wasserverhältnisse (z.B. defekte Drainagen) oder Hanggeometrien (Hanganschnitte, Anschüttungen), hervorgerufen werden, und dies vor allem in ohnehin rutschungsanfälligen Regionen.

Eine Zusammenschau der an der Geologischen Bundesanstalt und anderen Institutionen archivierten Informationen zu gravitativen Massenbewegungen (Summe: etwa 25.000) lässt deutlich Datenlücken erkennen (beispielsweise in Tirol). So steht zwar eine Daten- und Informationsarchiv beachtlichen Umfangs zur Verfügung, jedoch müssen diese Datenlücken zukünftig durch weitere Recherchen und Erkundungen geschlossen werden. Erschwert wird diese Aufgabe dadurch, dass immer wieder neue gravitative Massenbewegungen entstehen, durch die der Mensch und seine Bauwerke bedroht werden (wie beispielsweise im August 2005 in Vorarlberg, Tirol und Oststeiermark, sowie im Juni 2009 in Nieder- und Oberösterreich).

Um jene Bereiche objektiv einzugrenzen, in denen aufgrund der natürlichen Beschaffenheit vordringlich Datenlücken per Felderkundung und Archivrecherchen geschlossen werden sollten/müssten, können modelltechnisch erstellte Rutschungsanfälligkeits-Karten herangezogen werden. Konkrete quantitative Aussagen für einzelne Standorte hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit (Wiederkehrzeit, Zeitpunkt) und der resultierenden Gefahr für Mensch und Infrastruktur sind anhand derartiger Karten jedoch nicht ableitbar. Dies liegt einerseits in den zeitlich und kleinräumig variablen prozessrelevanten Standortverhältnissen und -Eigenschaften, andererseits in der Komplexität der Prozessentstehung und des Prozessablaufes begründet. Beides kann nicht mit landesweit verfügbaren Daten hinreichend erfasst werden. Deshalb sind immer für quantitative Aussagen zur Gefahr und zum Risiko Einzelgutachten erforderlich.

Veröffentlicht am 05.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)