Räumliche Verteilung von Lawinenereignissen

Kartographische Darstellung der Lawinenereignisse in Österreich (mit speziellem Fokus auf das Bundesland Tirol)

Die Aufgaben und Ziele der Lawinendokumentation heute sind vielfältiger Natur: Umweltmonitoring, Bereitstellung von Grundlagen für Untersuchungen über Lawinengefahr und -risiko, sowie von Grundlagen zur Ableitung von Präventions- und Schutzmaßnah­men und zur Untersuchung von deren Wirksamkeit, sind hier in gleichem Atemzug zu nennen.

Die in Österreich vorhandenen Datengrundlagen zur Erreichung dieser Ziele sind schon allein wegen der gesellschaftlichen Entwicklungen, die unter an­derem zu radikalen Veränderungen der Raumnutzung und des Freizeitverhaltens der Bevölkerung im letzten Jahrhundert führten, sehr inhomogen. Qualität und Quantität der Daten sind je nach Herkunft bzw. Zie­len der Dokumentationen sehr unterschiedlich. Vor einigen Jahrhunderten wurden Lawinenschadensauf­zeichnungen zum Beispiel verwendet, um einen Steu­ernachlass zu bewirken. Weit vor dieser Zeit findet man stumme Zeugen von Ereignissen, die heute verwendet werden, um Informationen über Extremereignisse, de­ren Wiederkehrdauer und historische Schneemengen zu finden (Stichwort „Holozänes Lawinengeschehen“).

Derzeit werden in Österreich von verschiedenen In­stitutionen Lawinendatenbanken betrieben. Ziel ist es, die unterschiedlichen Datenbankinhalte unter einem Dach zusammenzuführen. Die Lawinendatenbank am Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) beinhaltet zur Zeit etwas mehr als 5.000 Fälle von Schadenslawinen. Das Institut für Alpine Naturgefahren (IAN) der Universität für Bodenkultur (BOKU) hat im Projekt „Historische Ereignisdokumentation“ bisher fast 7.000 Datensätze von Lawinenabgängen gesammelt.

Im Ereignisportal des neuen, digitalen Wildbach- und Lawinenkatasters der „Wildbach“ (BMLRT) finden sich inzwischen etwas mehr als 7.000 Lawinenschadensmeldungen. Insgesamt steht daher eine beachtliche Anzahl an beobachteten Einzelereignissen zur Verfügung.

Die Österreichkarte spiegelt den derzeitigen Bearbeitungsstand und zeigt mit aller Deutlichkeit die Dringlichkeit der Erhebung und Zusammenführung aller vorhandenen Unterlagen auf. In Vorarlberg ist diese Arbeit schon weit gediehen. Im derzeit laufenden Projekt „Historische Ereignisdokumentation“ stammt beinahe die Hälfte der vorliegenden Datensätze aus dem Bundesland Tirol. Vorarlbergs Anteil liegt hier bei knapp unter 30%. Aus Vorarlberg stammt auch das bisher älteste Dokument dieser Auswertungen (1450)

Die Bedeutung des betrachteten Zeitfensters veranschaulicht die Karte der Verteilung der Lawinenereignisse in Tirol. In der Datenbank des BFW sind derzeit 556 Meldungen für diesen Zeitraum von weniger als 10 Jahren enthalten. 112 Gemeinden Tirols waren von diesen Ereignissen betroffen. In beinahe 80% der Gemeinden wurden nur 1–5 Lawinen verzeichnet, während nur rund 4% in die oberste Häufigkeitsklasse fallen. Auf ca. 10 % der Gemeinden, aus denen Lawinenmeldungen vorliegen, entfielen rund 55% der Ereignisse. Dieses Bild verändert sich sowohl durch Hinzukommen weiterer Lawinenmeldungen als auch bei Wahl eines anderen Auswertezeitraumes.

Veröffentlicht am 05.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)