Häufigkeit und Intensität von Ereignissen

Zeitliche und räumliche Analyse von Wildbach- und Lawinenereignissen

Basierend auf den Gefahrenzonenplänen der Wildbach- und Lawinenverbauung und den darin dokumentierten Ereignissen wurden Zeitreihen und Karten erstellt, die deren Auftreten hinsichtlich Häufigkeit und Intensität veranschaulichen. Insgesamt wurden zur Auswertung ca. 15.900 datierte Wildbachereignisse herangezogen, welche bis in das Jahr 544 n. Chr. zurückreichen. Für den Zeitraum 1970-2000 wurden zusätzlich ca. 3.100 dokumentierte Ereignisse aus der Datenbank des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) übernommen und somit die Vollständigkeit des Datensatzes verbessert. Die Analyse der Lawinenereignisse basiert auf einer Datengrundlage von ca. 5.900 dokumentierten Ereignissen.

Zeitreihen dokumentierter Ereignisse

Eine erste Aussage über die Häufigkeit und Zunahme von Ereignissen wurde über die Betrachtung einzelner Jahrzehnte realisiert. Die dokumentierten Ereignisse einer Dekade wurden zu diesem Zweck aufsummiert und entlang einer Zeitachse dargestellt. Der vermeintliche Anstieg der Anzahl an Ereignissen lässt jedoch keine Rückschlüsse auf eine Häufung von Ereignissen zu. Vielmehr wurde seit der Gründung der Wildbach- und Lawinenverbauung im Jahre 1884 die Dokumentation von Wildbachereignissen als systematische Aufgabe eingeführt. Die stagnierende Zahl an aufgezeichneten Ereignissen in den 20er, 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts ist auf die Weltkriege zurückzuführen, in denen aufgrund Personalmangels die Erhebungen nicht vollständig durchgeführt werden konnten. Seit den 1950er Jahren wird die Ereignisdokumentation wieder auf einem sehr intensiven Niveau betrieben. Die steigende Anzahl an Ereignissen verdeutlicht dies.

Die Lawinenhäufungen einzelner Jahrzehnte müssen als besonders intensive, unregelmäßig wiederkehrende Lawinenwinter interpretiert werden. Die sinkende Anzahl an Ereignissen ab den 1980er Jahren kann damit erklärt werden, dass das BFW seit den 1970er verstärkt die Lawinenereignisse aufgezeichnet hat und diese in den Datensatz bisher nicht integriert wurden. Ein weiterer Umstand, der zur Häufung von Wildbach- und Lawinenereignissen führt und in Zukunft führen wird, ist die stetige Ausbreitung des besiedelten Raumes. Es ist naheliegend, dass in der Regel nur Ereignisse dokumentiert werden, die Schäden im Siedlungsraum verursachen.

Die Darstellung der Ereignisse pro Jahr ist ein weiteres sehr nützliches Mittel um ereignisreiche Jahre hervorzuheben. So sind in der Zeitreihe der Wildbachereignisse die ereignisreichen Jahre 1882, 1954, 1959, 1965/1966, 1975, 1981 sowie das Jahrhundertereignis von 2002 besonders gut ersichtlich. In der Zeitreihe der Lawinenereignisse heben sich die Jahre 1888, 1917, 1935, 1951, 1954, 1970, 1975, 1983 sowie der Lawinenwinter 1999 hervor.

Frequenzanalyse für einzelne Einzugsgebiete

Die Frequenz-Intensitäts-Analyse einzelner Einzugsgebiete ist eine weitere mögliche Form der Analyse der Ereignischronik. Anhand von zwei Wildbächen (Bretterwandbach, Farstrinne) und einer Lawine (Arzleralmlawine) wird exemplarisch gezeigt, welche Indikatoren aus Ereignisdokumentationen abgeleitet werden können. Einerseits lassen sich der Zeitpunkt des Auftretens der Ereignisse gegenüber den dabei beobachteten Intensitäten darstellen; so entsteht ein visueller Eindruck über die Häufigkeit von Ereignissen. Andererseits können die Graphiken auch numerisch interpretiert werden, in dem man mit den vorhandenen Daten eine Frequenz von häufigen und seltenen Ereignissen berechnet. Am Beispiel des Bretterwandbaches tritt statistisch betrachtet ein häufiges Ereignis (Intensität klein S und mittel M) einmal in 11 Jahren auf und ein seltenes Ereignis (Intensität groß L und extrem XL) einmal in 41 Jahren. Zur besseren Veranschaulichung wurden die Zeitskalen der einzelnen Einzugsgebiete gleich lang gewählt, obwohl im Falle des Bretterwandbaches und der Farstrinne noch weitere 15 bzw. 5 Ereignisse vor 1800 dokumentiert sind.

Häufigkeitsverteilung auf Bezirksebene

Neben der Darstellung in Diagrammen unter Angabe von Zahlenwerten kann die Anzahl und Häufung von Ereignissen auch räumlich berechnet werden. Hierfür wurden die Wildbachereignisse pro Bezirk aufsummiert und die Anzahl an Ereignissen pro 10 km² Bezirksfläche ermittelt. In alpinen Bezirken treten mindestens 2 Ereignisse auf je 10 km² Bezirksfläche auf. In nur sieben Bezirken (Bludenz, Dornbirn, Imst, Lienz, Kitzbühel, Kufstein und St. Johann im Pongau) konnte eine Dichte von mehr als vier Ereignissen pro 10 km² nachgewiesen werden. Jene Bezirke die eine größere Dichte an Ereignissen aufweisen, befinden sich überwiegend in Westösterreich und in den östlichen Ausläufern der Alpen.

Vollständigkeit der Zeitreihen – Aussagekraft der Analysen

Die Datenbank, auf der die dargestellten Zeitreihen und Frequenz-Intensitäts-Analysen beruhen, weist noch zahlreiche Lücken auf. Bisher ist es in Österreich noch nicht gelungen, alle Datenbestände über historische Naturkatastrophen in einem Datensatz zusammen zu führen. Ebenso wurde bisher nur ein Teil der aufgetretenen Naturkatastrophen erfasst. Damit sind die Zeitreihen unvollständig und die Aussagekraft der Analysen beschränkt. Trotz dieser Einschränkungen lassen sich aus den Darstellungen wertvolle Informationen und Trends ableiten.

Veröffentlicht am 05.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)