Schlussfolgerungen aus der Analyse von Naturkatastrophen

Welche Lehren gezogen werden können und wer davon profitiert

Die in der Chronik dargestellten Naturkatastrophen zeigen eindrucksvoll, welche Informationen aus der Analyse der dokumentierten Ereignisse gezogen werden können. Daran knüpft die Frage an, welche Schlussfolgerungen aus den Daten und Analyseergebnissen abgeleitet werden können?

Eine der naheliegendsten Schlussfolgerungen ist, dass dokumentierte Naturkatastrophen das beste Beweismittel darstellen, um Betroffene von drohenden Gefahren zu überzeugen. Wer würde daran zweifeln, dass eine Katastrophe an jener Stelle wieder eintreten kann, an der sie nachweislich bereits aufgetreten ist? Bilder vergangener Katastrophen erzeugen Betroffenheit, planliche Darstellungen bilden den Sachbeweis.

Wenn das Risikobewusstsein der Bevölkerung erfolgreich hergestellt ist, liegt die Frage nach dem richtigen (gefahrenangepassten) Verhalten nahe. Aus dem Ablauf von Naturkatastrophen kann man umfangreiche Schlüsse für die Verhaltensvorsorge ziehen: Welche Bereiche sind sicher? Wie ist im Katastrophenfall vorzugehen? Wo liegen die Fluchtwege? Welche Risiken drohen innerhalb und außerhalb von Gebäuden?

Diese Schlussfolgerungen helfen nicht nur den einzelnen Betroffenen, sondern sind auch für Katastrophenschutzbehörden und Einsatzorganisationen von höchstem Wert. Reale Ereignisse bieten den Entscheidungsträgern die beste Grundlage, die Katastropheneinsatzplanung auf den Ernstfall abzustimmen.

Die Natur steckt voller Überraschungen. Kein Ereignis gleicht dem anderen, jede Katastrophe läuft anders ab. Gefahrenzonenpläne sollen die Ausdehnung der bedrohten Gebiete möglichst exakt vorhersagen, die zugrunde liegenden Modelle und Kartierung sind jedoch nur so gut wie die Hinweise, die die Natur liefert. Der beste Anhaltspunkt ist die Dokumentation von Zeugnissen vergangener Katastrophen („Stumme Zeugen".)

Wenn man eine Prognose über den Eintrittszeitpunkt, die Intensität oder Dauer eines Naturereignisses machen will, benötigt man Daten vergangener Ereignisse, je mehr und je genauer, desto besser. Die Zuverlässigkeit einer Prognose hängt daher von der Qualität der Daten und der Beobachtungsdauer ab. Insbesondere bei meteorologischen und hydrologischen Daten ist heute jedoch unklar, wie weit die Beobachtungen vergangener Ereignisse aufgrund der Klimaveränderung von zukünftigen Ereignissen abweichen werden.
 

Veröffentlicht am 11.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)