Dokumentation von Wildbach- und Lawinenereignissen

am Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)

Die Schadensdokumentation von Wildbach- und Lawinenereignissen wurde ins Leben gerufen, um die Wirkungen dieser Naturereignisse auf den Menschen und seinen Lebensraum systematisch aufzuzeichnen und daraus Lehren für einen verbesserten Umgang mit Naturgefahren ziehen zu können. Die Ereignisdokumentation stellt somit einen wichtigen Forschungszweig am Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW), vormals Forstliche Bundesversuchsanstalt (FBVA), dar.

Datengewinnung

Die Sammlung lawinen- und wildbachrelevanter Daten erfolgt in speziell dafür am BFW entwickelten und dauerhaft installierten Datenbanken. Aber woher kommen die darin gespeicherten Informationen?

Im Lawinenbereich stammen die wichtigsten – weil detailreichsten – Angaben aus dem Bereich der Gendarmerie, die ab dem Winter 1973/74 ein eigens dafür erarbeitetes Meldeblatt konsequent zur Aufnahme von Lawinenereignissen einsetzte, und von der Wildbach- und Lawinenverbauung (wenn Lawinenereignisse eine direkte Verbauungs- bzw. Planungsrelevanz aufweisen). Weitere Aufzeichnungen stammen von der ÖBB, Straßenmeistereien, dem Österreichischen Bergrettungsdienst und dem Österreichischen Alpenverein. Im Wildbachbereich wurden die Schadensereignisse ab 1972 von allen Gebietsbauleitungen der Wildbach- und Lawinenverbauung in Form von Hochwassermeldungsformularen erfasst und jeweils ein Exemplar an die FBVA weitergeleitet (gemäß Erlass des BMLF 1972). Zusätzlich zu allen oben genannten Datenquellen führt das BFW (ehemals FBVA) seit geraumer Zeit eigene Schadenserhebungen zur Ergänzung der Datenbasis durch.

Aufbau, Möglichkeiten und Grenzen der Schadensdatenbanken

Wurden in den ersten Jahren die an der FBVA eingeganger Meldungen hauptsächlich zur Erstellung der jährlichen Schadensstatistiken herangezogen (Darstellung der erhobenen Ergebnisse in übersichtlicher Form), bot die stürmische Entwicklung von Computer, Hard- und Software bald die Möglichkeit, Datenbanklösungen zu entwickeln, die folgende Hauptfunktionen erfüllen: Datenhaltung (Eingabe, Fehlerkorrektur, Verwaltung) und Erstellung von Verknüpfungen der Datenbankinhalte und maßgeschneiderter Abfragen. Dadurch wurde es möglich, Informationen (Parameter) auf ihre gegenseitigen Wechselwirkungen zu untersuchen, komplexe Auswertungen (Beurteilungen) von
Parametern durchzuführen und den Datentransfer zu Geographischen Informationssystemen auf einfache Art und Weise zu erlauben.

Die Anwendungsmöglichkeiten der Datenbanken sind vielfältiger Natur. Mittels der Dokumentation von Ereignissen und der Datenbanken ist es beispielsweise möglich, eine Gesamtschau über das Schadensgeschehen in Wildbach- und Lawineneinzugsgebieten über einen längeren Zeitraum zu geben. Es werden Häufigkeiten und Schwerpunkte von Ereignissen identifiziert und in Raumbezug gebracht.

Aus den Untersuchungen lassen sich auch Aussagen über die Wirkungsweise von Verbauungsmaßnahmen treffen und sie können – bei entsprechender Datengrundlage – auch Hinweise auf Handlungsbedarf in der Praxis der WLV und im Forschungsbereich liefern. Die Grenzen der Auswertungen von Dokumentationen sind durch zwei Aussagen zu umreißen:

Eine Auswertung kann keine genaueren Aussagen liefern als Art, Umfang und Genauigkeit der ihr zugrunde liegenden Daten und der zum Zeitpunkt der Auswertung herrschende Stand des Wissens. Um den Stand des Wissens zu verbessern, laufen seit 1967 zahlreiche Untersuchungen am BFW in direktem Zusammenhang mit der Dokumentation von Schadensereignissen.

Projekte des BFW

Projekte des BFW in direktem Zusammenhang mit Ereignisdokumentation (Auswahl):

  • Katastrophenuntersuchungen an Lawinen
  • Differenzierte Schadenslawinen-Analysen
  • Dokumentation von Wildbachschadensereignissen
  • Methodenentwicklung: von der Dokumentation zur Risikobewertung im Bereich oberflächennaher Rutschungen

Neben diesen hauseigenen Projekten, die mit der Abteilung für Wildbach- und Lawinenverbauung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) abgestimmt wurden und das Prozessverständnis – und im Falle der Lawinen auch die lawinenkundliche Ausbildung – als zentrales Element aufweisen, wurde in einer Kooperation des BMLRT, der Universität für Bodenkultur (Institut für Alpine Naturgefahren) und des BFW ein Projekt (DOMODIS) durchgeführt, das – ausgehend von bisherigen Verfahren zur Dokumentation von Wildbach-Schadensereignissen – zwei Zielrichtungen verfolgt: zum einen die Verbesserung der Ereignisdokumentation in fachlich-methodischer Hinsicht, zum anderen den Aufbau einer geeigneten Organisationsstruktur für eine österreichweit flächendeckende Durchführung dieser Erhebungsarbeiten. 

Veröffentlicht am 11.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)