Dokumentation von Naturkatastrophen

an der Universität für Bodenkultur

Die Aufgabe einer Universität in Bezug auf Naturgefahren beruht nicht so sehr auf der Archivierung und Bereitstellung von Daten. Ihr Hauptaugenmerk liegt überwiegend im Bereich der Entwicklung von Methoden zur standardisierten Datenerfassung, der Datengewinnung zur Klassifizierung von Prozessen und in weiterer Folge im Bereich der Auswertung und Analyse dieser Datensätze. Die dadurch gewonnenen Analyseergebnisse sollten zu einer Verbesserung der Maßnahmenplanung und somit zu einer Verringerung der Schäden durch Naturgefahren führen.

Seitens der Universität für Bodenkultur wird die Dokumentation von Naturkatastrophen von drei Organisationseinheiten durchgeführt:

  • Zentrum für Naturgefahren und Risikomanagement (ZENAR)
  • Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau (IWHW)
  • Institut für Alpine Naturgefahren (IAN)

Das Zentrum für Naturgefahren und Risikomanagement ist eine Initiative der Universität für Bodenkultur Wien, um die Forschung im Bereich Naturgefahren und Risikomanagement zu fördern und um die Verbindungen zwischen Wissenschaft und Praxis zu intensivieren. Das Zentrum koordinierte die Erhebungen und Analysen zum Hochwasser 2002 und veröffentlichte Handlungsempfehlungen.

Das Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau ist eine Unterorganisationseinheit des Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt. Dieses Institut war für die Hochwasserdokumentation der Ereignisse 2005 und 2009 im Bereich der Bundeswasserbauverwaltung verantwortlich.

Das Institut für Alpine Naturgefahren befasst sich mit der Methodik der Ereignisdokumentation von alpinen Naturgefahren, um eine Standardisierung der Aufnahmen zu erzielen. Diese ist im Hinblick auf das Ereignisportal des digitalen Wildbach- und Lawinenkatasters erforderlich. Um die Dokumentation effizient durchführen zu können, wurden Checklisten für verschiedene Gefahrenarten entwickelt und in einem Handbuch erläutert. Diese Checklisten wurden aufbauend auf den von Institutsmitarbeitern durchgeführten Ereignisdokumentationen (z. B. Wartschenbach 1997, Lawinen Bezirk Imst und Landeck 1999, Hassbach 1999, Salzkammergut und Niederösterreich 2002, Gailtal 2003, Tirol und Vorarlberg 2005) entwickelt.

Seit 2007 werden vom IAN für den Wildbach- und Lawinenkataster historische Ereignisse aufbereitet. Diese liegen entweder in Form von Chroniken oder als Aufzeichnungen der Gebietsbauleitungen der Wildbach und Lawinenverbauung bereits schriftlich vor. Dadurch konnten rund 28.000 Datensätze in Form einer Datenbank zur Verfügung gestellt werden. Die Daten dieser Datenbank bilden eine wesentliche Grundlage dieses Buches.
In alter Tradition werden vom IAN Lehrveranstaltungen zur Ereignisdokumentation angeboten und finden sich in den Masterprogrammen Mountain Risk Engineering und Alpine Naturgefahren/Wildbach- und Lawinenverbauung.

Universitätskurs Ereignisdokumentation

Aufgrund der Erfahrung mit der Dokumentation der Hochwasserereignisse 2005 in Tirol und Vorarlberg trat die Abteilung IV/5 des Lebensministeriums im November 2006 an das Institut für Alpine Naturgefahren der BOKU Wien mit dem Ersuchen heran, einen Lehrgang zur Ausbildung von Ereignisdokumentaren zu entwickeln. Diese Ausbildung soll sowohl Mitarbeitern der Wildbach- und Lawinenverbauung als auch anderen fachlich qualifizierten Personen, die für die Ereignisdokumentation in Frage kommen, offen stehen. Ziel des Kurses ist, in Österreich einen Pool von Ereignisdokumentaren zu schaffen, der die gewünschte Effizienz und Qualität der Dokumentation von Naturereignissen (Hochwasser, Murgänge, Rutschungen, Sturzprozesse und Lawinen) im Ereignisfall sicherstellt.

Dieser Kurs wird seit 2008 in Zusammenarbeit mit der Wildbach- und Lawinenverbauung und dem BFW abgehalten. Neben den theoretischen Grundlagen zur Aufnahmemethodik werden die Kursschwerpunkte auf folgende Themen gelegt:

  • Auslösung, Hydrographie
  • Verlagerungsprozesse
  • Rechtliche Rahmenbedingungen
  • Verfahren/Methoden zur Datenerhebung
  • Datenmanagement
  • Katastrophenmanagement und -schutz
  • Kommunikation und Interviewtechnik

Ergänzt wird der Theorieteil durch praktische Anwendung zu den einzelnen Prozessen. 

Veröffentlicht am 11.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)