Prähistorische Naturkatastrophen

Große Bergsturzereignisse nach Rückzug der Gletscher der letzten Eiszeit

Der Alpenraum war bis vor etwa 20.000 Jahren letztmalig großflächig von Gletschern bedeckt. Diese schürften die Täler endgültig tiefgründig aus, so dass trogartige (U-förmige) Täler entstanden. Das Gletschereis stabilisierte zunächst noch die übersteilten Hänge. Jedoch wurden diese im Zuge des Gletscherrückzuges aufgrund des zunehmend fehlenden Eiswiderlagers und einhergehender Druckentlastung vielerorts instabil.

Dies äußerte sich neben tiefgründig kriechend-rutschenden Hängen auch in plötzlichen Bergstürzen. Ein Beispiel für die damals sich ereignenden Bergstürze ist jener des Tschirgant im oberen Inntal (Tirol), dessen Narben in der oberen Bergflanke noch deutlich zu erkennen sind. Weitere Bergstürze waren jene von Köfels im Ötztal und des Fernpasses (beide Tirol), des Almtals in Oberösterreich und des Dobratsch in Kärnten. Die abgestürzten Felsmassen füllten oft die Talsohlen aus, durch den Köfels-Bergsturz entstand sogar ein ganzer Berg (Taufererberg). Dadurch wurden die Flüsse zunächst aufgestaut, nach und nach bahnten sie sich aber wieder einen Weg (wie die Ötztaler Ache in der Maurachschlucht). Die Bergsturzmassen sind auch heute noch an der kleinräumig in Kuppen und Mulden gegliederten Landschaft (Tomalandschaft) und den zertrümmerten Gesteinsbrocken zu erkennen.

Tschirgant-Bergsturz

  • Vor ca. 2.800 Jahren
  • Fläche: 13 km²
  • Volumen: 0,18 bis 0,24 km³
  • Geschwindigkeit: bis zu mehrere hundert Stundenkilometer
  • Tote: unbekannt 

Köfels-Bergsturz

  • Vor ca.9.800 Jahren
  • Fläche: 12 km²
  • Volumen: 2,0  bis  3,28 km³
  • Geschwindigkeit: bis zu mehrere hundert Stundenkilometer
  • Tote: unbekannt

Besonderheiten

Nach dem Fundort nahe dem Ort Köfels wird ein Gestein „Köfelisit" genannt. Anfang des 19. Jahrhunderts dachte man, es würde sich dabei um Bimsstein (ein Gestein vulkanischer Entstehung) handeln, da es typischerweise blasenartige Hohlräume enthält. Im Jahr 1936 kam dann die Theorie eines Meteoriteneinschlages hinzu, denn mikroskopische Untersuchungen ergaben, dass „geschockte Quarze" enthalten sind, welche typisch für jene extrem hohen Temperaturen sind, die durch Meteoriteneinschläge hervorgerufen werden. Heute weiß man, dass diese durch die große Reibungshitze während eines Bergsturzes entstehen können.

Sehenswert

Bereits von der Inntalautobahn aus erschließt sich die Schönheit der durch den Bergsturz am Tschirgant entstandenen Tomalandschaft. Diese wurde als Biotop auf einer Fläche von 340 ha unter Schutz gestellt und mehrere Lehrpfade eingerichtet. Ebenso geht auch der höchste Wasserfall Tirols auf einen Bergsturz, den Köfelsbergsturz, zurück. So versperrten die zum Taufererberg aufgetürmten Bergsturzmassen den ursprünglichen Weg des Horlachbaches. Dieser hat sich dann etwas seitlich nach Norden verlegt, einen neuen Weg gesucht und stürzt nun über eine Höhe von mehr als 150 m als Stuibenfall zu Tal.

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)