Hochwasser und Lawinen 2009

Überblick und Darstellung ausgewählter Extremergeignisse

Wildbachereignisse 2009

Im Jahr 2009 wurden insgesamt 248 Ereignisse der Kategorie „Wasser" innerhalb der Kompetenzgrenzen des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung registriert. Nach ONR 24800 handelt es sich dabei um Hochwasser, fluviatile Feststofftransporte (Hochwasser mit Geschiebe), murartige Feststofftransporte sowie Murgänge im eigentlichen Sinne. Zusätzlich wird dem Wildholz eine wichtige Rolle in der Entwicklung eines Ereignisses beigemessen. Die Verteilung der registrierten Ereignisse 2009 auf die einzelnen Bundesländer zeigt, dass der Schwerpunkt der diesjährigen Hochwasserereignisse deutlich in den Bundesländern Steiermark, Oberösterreich, Salzburg sowie Niederösterreich lag. Am häufigsten traten geschiebeführende Hochwässer in der Steiermark, Niederösterreich und Oberösterreich auf. Murgänge im eigentlichen Sinn konzentrierten sich vor allem in den Bundesländern Salzburg, Tirol, Oberösterreich und in der Steiermark.

Bis auf zwei registrierte Hochwässer mit Geschiebetrieb blieb Vorarlberg im Jahr 2009 von schadrelevanten Wildbachereignissen verschont. Das Bundesland Steiermark zeigte den höchsten durch Wildholz beeinflussten Anteil an Hochwässern.


Spitzerbach

Am 3. Juli 2009 kam es in den Gemeinden Spitz an der Donau sowie Mühldorf (Bezirk Krems, Niederösterreich) zu einem verheerenden Hochwasserereignis des Spitzerbaches. Aufgrund kurzzeitiger heftiger Gewitter kombiniert mit Starkregenereignissen der letzten fünf Tage stieg der Wasserpegel des Spitzerbaches von durchschnittlich 0,3 m innerhalb einer halben Stunde an manchen Stellen bis zu einer Wassertiefe von 4 m an. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) war der Juni 2009 der regenreichste Monat seit 190 Jahren für die nördlichen und östlichen Regionen Österreichs. Die Unwetter zwischen 2. und 6. Juli 2009 haben über Niederösterreich verteilt jeweils 30–40 mm Niederschlag innerhalb von 2 Stunden pro Messstation gebracht.

Die Kraft der Wasserfluten, welche nur einen geringen Geschiebeanteil aufwiesen, reichte aus, um Brücken wegzureißen und Straßen sowie Autos in Mitleidenschaft zu ziehen. Ufernahe Gehölze wurden aus dem nordwestlichen, oberen Einzugsgebiet, welches insgesamt eine Größe von 63 km2 aufweist, von den Fluten mitgerissen. Da der Spitzerbach zum Zeitpunkt des Maximalabflusses bereits „bordvoll" abführte, kam es entlang des Bachverlaufes vor allem vor Brückendurchlässen zu Verklausungen, wodurch in weiterer Folge der Spitzerbach ausuferte und zahlreiche Häuser sowie deren Gärten überflutete. Seither wird ein 81-jähriger Pensionist vermisst, als er eine Verklausung bei einer Brücke beseitigen wollte. Aufgrund Augenzeugenberichten wurde ein maximaler Abfluss von 150 m3/s geschätzt.


Gößnitzbach

Eine Kaltfront verursachte am 22. August 2009 im Einzugsgebiet des Gößnitzbaches (Gemeinden Gößnitz, Edelschrott, Maria Lankowitz/Steiermark) ein extremes Niederschlagsereignis. Im Einzugsgebiet regnete es in 24 Stunden 130 mm, was einer Jährlichkeit von mindestens 300 Jahren entspricht (statistisch sind laut ZAMG aufgrund der Messreihen nur 100 Jahre abgesichert). In den steilen Zubringern kam es zu Murabgängen, die teilweise das Hauptgerinne zurückstauten. Das Ereignis im Hauptgerinne kann als stark geschiebeführend eingestuft werden. Unmengen von Schwemmholz und Wurzelstöcken führten zu zahlreichen Verklausungen. Mehre Brücken wurden zerstört. Gerinneaustritte und Gerinneverlegungen traten durch starke Geschiebeakkumulation auf. Zahlreiche am Gerinne liegende Gebäude wurden überflutet und Autos abgeschwemmt. Im Unterlauf des Gößnitzbaches war ein Todesopfer zu beklagen. Die Gemeinden entlang des Gößnitzbaches wurden zum Katastrophengebiet erklärt.

Am 4. September 2009 kam es im Einzugsgebiet des Gößnitzbaches zu einem erneuten Hochwasser. Die Jährlichkeit des Niederschlags lag im Bereich eines 100-jährlichen Ereignis. Im gesamten Verlauf des Gößnitzbaches kam es infolge von Seitenerosion der Uferbereiche sowie Geschiebeablagerung in den flacheren Gerinneabschnitten zu zahlreichen Verklausungen.


Lawinenereignisse 2009

Der Winter 2008/2009 wurde von vielen als außergewöhnlich lange und schneereich erlebt. Meteorologisch gesehen waren die Schneefälle im Winter 2008/09 zumeist über dem Durchschnitt, in einigen Regionen (steirisch-niederösterreichisches Grenzgebiet, Oberkärnten, Osttirol) wurden enorme Gesamtscheehöhen gemeldet. Die Auswirkungen und Reichweiten der Lawine waren zum Großteil vergleichsweise (z. B. Winter 1999) gering. Trotz der beträchtlichen Gesamtschneehöhen in einigen Regionen blieben somit Schäden durch Lawinen allgemein im überschaubaren Rahmen, im Siedlungsraum waren keine Todesopfer zu beklagen. Bemerkenswert war allerdings die außergewöhnliche Reichweite einzelner Lawinen (Schoberlawine in Wald am Schoberpaß/Steiermark, Fleißkargraben-Lawine im Sölktal/Steiermark, Gallreidelawine im Gschnitztal/Tirol). 

Veröffentlicht am 05.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)