Die „Jahrhundert-Flut“ 2002

Zwei extreme Niederschlagsereignisse führen zur Überflutung weiter Landesteile

Im August 2002 traten in Österreich Katastrophenhochwässer extremen Ausmaßes auf. Dabei wurden in vielen Gebieten alle bisher gemessenen Niederschläge und Abflüsse überschritten. Über lange Zeiträume betrachtet, sind sogar extreme Hochwässer als durchaus natürliche Prozesse anzusehen. Im Eindruck der Katastrophe bezeichneten jedoch Betroffene und Experten das Hochwasser 2002 als größtes in Österreich aufgetretenes Naturereignis, ja sogar als „Jahrhundert-Flut".

  • Größter in Österreich jemals durch eine Naturkatastrophe verursachter Schaden: Gesamtschaden 2,9 Mrd. €, davon allein 1,4 Mrd. € im Vermögen von Privatpersonen
  • 9 Todesopfer sind zu beklagen
  • Maximale Niederschläge über 300 mm im Mühl- und Waldviertel
  • Schwere Hochwasserschäden an den Flüssen Donau, Salzach, Enns, Steyr, Traun, Aist und Kamp
  • 171 Gemeinden von Wildbachkatastrophen betroffen

Zwei Starkregenepisoden führen zur Katastrophe

Auslösend für die Hochwasserkatastrophe waren zwei knapp aufeinander folgende Starkniederschlagsereignisse: von 6. bis 8. August 2002 und von 10. bis 14. August 2002. Die Wetterlage war in beiden Fällen durch „Kaltlufttropfen" im Bereich der Alpen gekennzeichnet, an deren Vorderseite es zu intensiven Hebungsvorgängen sowohl großräumig als auch in konvektiven Zellen kam, verstärkt in Nord- und Nordweststaulagen. Die sehr langsame Wanderung des Kaltlufttropfens führte zu der langen Dauer der Niederschläge in einem begrenzten Raum. Feuchtwarme Luft aus dem Mittelmeerraum war eine weitere Voraussetzung für die extremen Niederschlagsmengen. Zwei Niederschlagsepisoden mit einer Dauer von je 2–3 Tagen führten zu der Hochwasserkatastrophe.

Hauptsächlich betroffen waren das Mühl- und Waldviertel und der Alpennordrand. Dort fielen in jeder der beiden Episoden mehr als 100 mm, gebietsweise sogar mehr als 200 mm Niederschlag. Die Maxima im Mühl- und Waldviertel lagen bei über 300 mm.

Das Ausmaß der Flut-Katastrophe

Die außergewöhnliche Charakteristik der Niederschlags- und Hochwasserereignisse vom August 2002 bestand in der großen räumlichen Ausbreitung. Dadurch erfolgten Überregnungen ganzer Flusseinzugsgebiete mit großen Intensitäten. Der hohe Vorbefeuchtungsgrad der Gebiete führte zu sehr steil ansteigenden Hochwasserwellen. Dies wurde an der Donau noch durch die Überlagerung der alpinen Zubringer (Salzach, Enns, Traun) verstärkt.

In den Bundesländern Niederösterreich und Oberösterreich kam es zu einer in diesem Ausmaß noch nie aufgetretenen Überflutung von Teilen des Landesgebietes. Im Kamptal entstanden entlang des Flusses und seiner Zubringer von Zwettl bis zu seiner Mündung in die Donau massivste Überflutungen mit historischen Höchstständen. In Oberösterreich waren im Mühlviertel die an der Aist und Naarn samt Zubringern gelegenen Gemeinden und Ortschaften am schwersten von Überflutungen betroffen. Weiträumige Überflutungen von Enns und Steyr setzten Teile des Stadtgebietes unter Wasser. In Salzburg kam es großteils entlang der Salzach, Saalach und Enns zu Überflutungen. Auch in den Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Steiermark traten schwere Hochwasserschäden auf.

Schäden durch Wildbachereignisse

Es waren auch zahlreiche Wildbäche von der großflächigen Katastrophe betroffen. Der Schwerpunkt der Schäden in Wildbacheinzugsgebieten lag in Oberösterreich, gefolgt von Salzburg und Niederösterreich. Die Schäden entstanden vor allem durch die Wirkung des Geschiebes und Wildholzes oder durch Tiefen- und Seitenerosion, Hanganbrüche und Rutschungen. Insgesamt waren 171 Gemeinden in 27 Bezirken vom Hochwasserereignissen aus Wildbächen betroffen.

Besonders betroffen war die Gemeinde Saalfelden durch ein Hochwasser der Urslau, die weite Teile des Talbodens überflutete. Die Wirkungen der Schutzmaßnahmen (Querwerke, Ufersicherungen, Hangkonsolidierungen, flächenwirtschaftliche Maßnahmen, etc.) haben ein höheres Schadensausmaß verhindert. So konnte z. B. in der Gemeinde Thalgau (Salzburg), die innerhalb eines Monats im Sommer 2002 dreimal durch Hochwasserereignisse betroffen war, das Schadensausmaß infolge der Hochwasserschutzmaßnahmen im Fischbach und seiner Zubringer deutlich in Grenzen gehalten werden. 

Veröffentlicht am 04.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)