Gschliefgraben

Ein bekannter „Wiederholungstäter" Oberösterreichs, der 2007/08 wieder für Aufsehen sorgte

Der Gschliefgraben südöstlich von Gmunden (Oberösterreich) ist seit Jahrhunderten wohlbekannt. Denn mit einer Regelmäßigkeit von etwa 100 Jahren krochen und rutschten gletscherartig lehmige Erdmassen bereits im 15. Jahrhundert, 1660, 1734, 1825 und zuletzt 1910 bis an die Siedlungsbereiche am Ostufer des Traunsees heran. Mehrere Anwesen wurden sogar in den See verschoben.

Seit 1910 endeten die Erd- und Schuttströme bereits mehrere hundert Meter vor dem bewohnten Gebiet. Nur 1955 und 1987 erreichte die Aktivität des Gschliefgrabens wieder das Traunseeufer, jedoch hatten die damaligen Aufschotterungen nichts mit der Erdstromtätigkeit zu tun, sondern mit der Schuttführung des Wildbaches.
 

Ab Ende November 2007 hielt der Gschliefgraben abermals über mehrere Monate hinweg die betroffene Bevölkerung und die Medien in Atem. Zunächst wurden am 28. November im oberen Grabenbereich erste Anzeichen für Bodenbewegungen entdeckt. Nach und nach griffen diese dann scheinbar unaufhaltsam auf tiefer liegende Bereiche über.


Wochen später waren auf einer Fläche von etwa drei Quadratkilometern bis zu 4 Millionen Kubikmeter Erdreich mit einer Geschwindigkeit von mehreren Metern pro Tag in Bewegung. Dadurch gelangte immer mehr Material aus dem oberen Hang in den siedlungsnahen Bereich, was die Evakuierung von zwölf bewohnten Häusern ab Ende November für einen Zeitraum von acht Monaten erforderlich machte.

  • Gschliefgraben, Erd- und Schuttstrom
  • Zeitraum: Ab 28. November 2007 über mehrere Monate
  • Fläche: 42 Hektar
  • Volumen: Fast 4 Mio. m²
  • Geschwindigkeit: Bis mehrere Meter pro Tag
  • Evakuierungen: 55 Anwesen (ca. 100 Bewohner)
  • Sicherungskosten: 11,5 Mio. €


Motoren des Gschliefgrabens
Angetrieben werden die Bewegungen einerseits zu Zeiten, in denen der ohnehin wasserempfindliche und rutschungsanfällige Untergrund zusätzlich durch viel Niederschlag und Grundwasser durchfeuchtet wird, andererseits durch Felssturzmaterial der umliegenden Berge, welches jährlich tausende Kubikmeter umfasst. Dadurch entsteht über einen längeren Zeitraum hinweg eine zusätzliche Auflast, die dann bei durchnässtem und aufgeweichtem Lehmuntergrund die Bewegung hinab zum Traunsee erzwingt.

Der seit alters her benutzte Name „Gschlief", abgeleitet vom Dialektwort „schliafn" (schliefen), weist bereits auf instabiles, kriechendes Gelände hin.

In Österreich gibt es einen weiteren Gschlief. Es handelt sich dabei um einen Hang bei Doren (Vorarlberg), der auch immer wieder ins Rutschen gerät. So waren dort ab Februar 2007 wieder mehrere Anwesen bedroht. Im Gegensatz zum Gschliefgraben befinden sich diese jedoch nicht unterhalb, sondern oberhalb der Rutschung, wo entlang einer riesigen Abrisskante immer wieder Material nachrutscht. Dadurch kommt die Rutschung den Häusern immer näher. 

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)