Felsstürze 1999

Die Bevölkerung in den Tiroler Orten Ried und Huben hatte Glück im Unglück

Steinschläge und Felsstürze treten in den Alpen an felsdurchsetzten Hängen häufig auf. Schadensereignisse katastrophalen Ausmaßes sind jedoch selten. Auslöser sind Niederschläge, Erdbeben, aber auch menschliche Aktivitäten. Im Jahr 1999 trat eine Häufung dieser Ereignisse auf.

Eiblschrofen-Felssturz

  • Zeitraum: Ab 10. Juli 1999 über mehrere Wochen
  • Volumen: Ca. 150.000 m³
  • Evakuierungen: 58 Häuser und 16 Betriebe (258 Personen)
  • Schäden: Baumbestand, Forstwege
  • Sanierungs-/Sicherungskosten: 15 Mio. Euro

Huben-Felssturz

  • Zeitraum: 11. März 1999
  • Volumen: 110.000-120.000 m³
  • Evakuierungen: 1 Anwesen
  • Schäden: Sägewerk, Straße
  • Ablagerungshöhe: 4 bis 12 m

Felssturz am Eiblschrofen in Schwaz

Nachdem am 10. Juli 1999 bereits seit 5:00 Uhr morgens im Gebiet südlich von Schwaz immer wieder Erdbeben registriert wurden, lösten sich nachmittags gegen 14:40 Uhr erste Felsmassen an der Nordflanke des Eiblschrofens. Im Zuge einer ersten Serie von Felsstürzen lösten sich zunächst ca. 20.000 m³, in den folgenden Tagen summierte sich dies zu 150.000 m³ Fels auf.

Ortskundigen Geologen war die Brüchigkeit des Eiblschrofenmassivs bereits länger bekannt, denn dessen Nordflanke ist aufgrund zahlreicher tektonischer Störungen entlang des Inntals vorgeschwächt. Deshalb klaffen vor allem an der steilen Nordflanke Spalten leicht auf.

Durch zusätzliche Impulse, wie beispielsweise ein Erdbeben, neigt die steile Nordflanke zur Instabilität. Die am Hangfuß siedelnde Bevölkerung des Schwazer Ortsteils Ried war somit bereits vom ersten Tag an akut in Gefahr, so dass noch am Abend dutzende Häuser und Betriebe evakuiert wurden. Zur Festlegung weiterer möglicher Evakuierungsmaßnahmen und von Schutzbauten sowie zur Beurteilung der sich mit der Zeit ändernden Gefährdungssituation wurde Beobachtungs- und Messtechnik installiert. Nicht zuletzt durch den raschen Bau von riesigen Schutzdämmen konnten erste Bewohner bereits am 2. September, letztendlich alle Bewohner wieder bis zum 2. November in ihre Häuser zurückkehren.

Seit 2003 wird der Berg auch per GPS-Technik überwacht. Dadurch wird gewährleistet, dass bereits kleine Hangbewegungen kontinuierlich und dauerhaft erfasst und bewertet werden können. Insgesamt wurden letztendlich 15 Mio. Euro in die Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen investiert. Nach sieben Jahren konnte eine positive Bilanz gezogen werden, so dass die ursprünglich als Gefahrenzonen ausgewiesenen Bereiche unterhalb der Schutzdämme wieder aufgehoben werden konnten.

Der Felssturz von Huben im Ötztal

Das Tiroler Felssturzjahr 1999 wurde aber bereits am 11. März eingeleitet. So stürzten bei der Ortschaft Huben über 100.000 m³ Fels aus 200 m Höhe zu Tal. Dadurch wurde ein Sägewerk zerstört und die Ötztaler Bundesstraße bis zu 4 m hoch verschüttet. Wie durch ein Wunder war kein Menschenleben zu beklagen.

Als Auslösung für das Ereignis wird angenommen, dass große Mengen von Schmelzwasser in die Felsspalten eindrangen. Der einsetzende Nachtfrost hat dann letztendlich zum Absprengen und Abstürzen der Felsmassen geführt. Das Sägewerk wurde später, nun weiter vom Berg abgerückt, wieder aufgebaut. Heute schützen Dämme das Anwesen.

Veröffentlicht am 04.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)