Wildbachkatastrophen der 1990er Jahre

Die Murenkatastrophe am Wartschenbach in Osttirol als Auslöser für Warnung und Alarmierung

In den 1990er Jahren blieb Österreich von großräumigen Wildbachkatastrophen weitgehend verschont. Dafür traten in einzelnen Einzugsgebieten lokale Katastrophen mit umfangreichen Schäden auf. Aus den zahlreichen Ereignissen treten die Muren im Wartschenbach (Osttirol) sowie die Hochwasserkatastrophen an der Teigitsch (Steiermark) und im Hassbach (Niederösterreich) hervor.

  • Wartschenbach: 3 Murenkatastrophen im Wartschenbach innerhalb von 3 Jahren
  • Das Ereignis am Wartschenbach ist auslösend für die Entwicklung von Warn- und Alarmanlagen in einem Wildbach in Österreich
  • Hassbach: 150 mm Niederschlag in 2 Stunden löst 40 Rutschungen in den Einhängen aus

Muren aus dem Wartschenbach

Der Wartschenbach in der Gemeinde Nußdorf/Debant (Bezirk Lienz, Osttirol) hat sich in den letzten 15 Jahren von einem unbedeutenden Gebirgsbach zu einem der gefährlichsten Wildbäche in Österreich entwickelt. Es wurden im Laufe der Jahrhunderte zwar immer wieder Ereignisse am Wartschenbach dokumentiert, die rasche Abfolge an Katastrophen seit 1995 verdeutlicht jedoch das Zerstörungspotenzial dieses Wildbaches.
Am 6. August 1995 löste ein schweres Gewitter mit Hagelschlag über dem nordöstlichen Teil des Einzugsgebietes einen Murgang aus. Dabei wurden etwa 40.000 m³ Geschiebe mobilisiert.

Der Murgang beschädigte oder zerstörte 16 Häuser der Wartschensiedlung und ein Bauhofareal. Der Wartschenbach tiefte sich bei diesem Ereignis bis zu 8 m in sein Bett ein. In den Grabeneinhängen waren seither Nachböschungsvorgänge im Gange und bewirken durch größere Hangrutschungen die Initialzündung für weitere Murenereignisse.

Starkregen mit Hagelschlag im Bereich des Zettersfeldes löste am 16. August 1997 einen Hochwasserabfluss aus, welcher einen Murgang im Wartschenbach mit 45.000 m³ Geschiebmaterial induzierte. 14 Wohnobjekte in der Wartschensiedlung und ein Bauhofareal wurden – wie schon 1995 – vermurt und dabei stark beschädigt.

Nur drei Wochen später, am 6. September 1997, ereignete sich der nächste Murgang: Diesmal wurden etwa 35.000 m³ Murmaterial am Schwemmkegel abgelagert, 5 Wohnhäuser der Wartschensiedlung sowie das Bauhofareal waren erneut betroffen.
Nach diesen Ereignissen wurden im Wartschenbach umfangreiche technische Schutzmaßnahmen errichtet und außerdem eine der ersten Warn- und Alarmsysteme in einem Wildbach in Österreich installiert, die die Bevölkerung vor drohenden Ereignissen warnen soll.

Wildholz als Katastrophenursache in der Teigitsch und im Gößnitzbach (Steiermark)

Beim bis dahin schwersten Hochwasser an der Teigitsch (Voitsberg, Steiermark) in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 1995 entstanden gewaltige Schäden. Sommerliche Temperaturen bis 32° C und eine von Westen vordringende Gewitterfront bewirkten, dass lange, heftige Regenschauer einsetzten.

Das folgende 100- bis 150-jährliche Hochwasser erreichte in der Teigitsch (Einzugsgebietsgröße 70 km²) eine Abflussspitze von 129 m³/s. Katastrophal wirkten sich vor allem die enormen Wildholzmengen aus, die zur Verklausung von Brücken, Durchlässen und Wehranlagen führten. Bei dieser Unwetterkatastrophe kam 1 Person ums Leben, 2 Gast- bzw. Wohnhäuser sowie mehrere landwirtschaftliche Nebengebäude und Mühlen wurden zerstört. 15 Wohnhäuser, 2 Gasthäuser und 1 Sägewerk wurden schwer beschädigt. Eine Vielzahl an Straßen und Brücken wurde zerstört bzw. beschädigt, ebenso ein Campingplatz und Infrastruktureinrichtungen.

Hochwasser im Hassbach

Am späten Nachmittag des 7. August 1999, nach einer hochsommerlich warmen und niederschlagsfreien 14-tägigen Schönwetterperiode, verursachten schwere Unwetter mit Hagel im Wechselgebiet großflächige Überschwemmungen und Überschotterungen im Talraum des Hassbaches (Gemeinde Warth, Niederösterreich).

Einer der auffälligsten Prozesse während dieses Ereignisses waren die in der östlichen Hälfte des Einzugsgebietes konzentrierten, seichtgründigen Hangrutschungen. Diese traten zum größten Teil an künstlichen Straßenböschungen und Böschungseinschnitten auf, wurden aber auch an natürlichen Terrassenkanten beobachtet. Neben Schäden an Güterwegen und Gemeindestraßen mussten infolge einer solchen Rutschung auch zwei Wohngebäude geräumt und abgerissen werden. Wie durch ein Wunder wurde hier niemand verletzt.

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)