Wildbach- und Lawinenereignisse in den 1980er Jahren

Muren und Staublawinen fordern Todesopfer und zerstören zahlreiche Gebäude

Auch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts verursachten zahlreiche Muren, Lawinen und Hochwässer schwer Personen- und Sachschäden. Von Wildbachkatastrophen besonders betroffen waren das Drautal (Kärnten) und das Glemmtal (Salzburg).

Besonders tragisch waren die Folgen der Wolfsgrubenlawine in St. Anton am Arlberg (Tirol).

  • Gendorferbach 6. Juli 1983: 1 Wohnhaus zerstört, 12 schwer beschädigt 7 ha vermurt
  • Zörbach 6. Juli 1983: 1 Wohnhaus zerstört, 15 Gebäude schwer beschädigt
  • Schreigraben 11. September 1983: 4 Todesopfer
  • Schwarzachergraben 8. Juli 1987: 1 Todesopfer, Siedlung am Schwemmkegel völlig vermurt
  • Wolfsgrubenlawine 13. März 1988: 7 Tote, 23 Verletzte, 1 Haus zerstört, 29 Häuser beschädigt, Bundesstraße und Arlbergbahn bis 5 m hoch verschüttet

Muren in Baldramsdorf

Im Jahr 1983 wurde Baldramsdorf im Drautal (Kärnten) zweimal von schweren Murenkatastrophen heimgesucht. Nach einem Gewitterregen am 6. Juli 1983 brachten zwei schwere Murgänge aus dem Oberlauf des Gendorferbaches mindestens 20.000 m³ Geschiebe zu Tale, das sich nach einer Verklausung überwiegend im westlichen Siedlungsraum von Gendorf ausschüttete.

Es wurden dabei 12 Wohnhäuser schwer beeinträchtigt – eines davon völlig zerstört. Die Vermurungsfläche im Siedlungsraum betrug ca. 7 ha. Die Landesstraßenbrücke wurde weggerissen. Ein ähnliches Schadensausmaß verursachte eine Mure aus dem Zörbach.

Noch schlimmer kam es am 11. September. Nachdem in den Nachtstunden innerhalb kürzester Zeit eine Niederschlagsmenge von 81 mm zu verzeichnen war, kam es im Schreigraben zu einem Murgang. Die Bewohner am Schwemmkegel des Schreigrabens wurden in den Morgenstunden von diesem Ereignis überrascht.
Beim Versuch, den Geschiebemassen zu entrinnen, wurden sieben Menschen von der Mure erfasst und in die Drau gerissen – vier fanden den Tod.

Der Schwarzachergraben verwüstet Saalbach

Vom 1. bis 3. Juli sowie am 8. Juli 1987 gingen im Raum Saalbach (Salzburg) außergewöhnlich schwere Gewitter nieder, wobei das Einzugsgebiet des Schwarzachergrabens besonders stark betroffen war. Durch den überaus starken Geschiebeeinstoß aus den Oberlaufgräben, insbesondere aus dem Waxeckgraben, eskalierte das Ausmaß der Katastrophe im Hauptgraben derart, dass der Schwemmkegel mit der hier liegenden Siedlung zur Gänze vermurt wurde. Es war 1 Todesopfer zu beklagen. Auch an den Verbauungen entstanden große Schäden.

Der „Weiße Tod" schlägt in St. Anton zu

Am 13. März 1988 bricht eine große Staublawine aus den Einzugsgebieten der Wolfsgruben- und Stockbachlawine ab und stößt in den Ortsteil Nasserein in St. Anton am Arlberg vor. Die Opferzahl ist hoch: 7 Personen werden getötet und 23 verletzt. Besonders tragisch ist, dass 5 der Todesopfer sich innerhalb jenes Gebäudes aufhielten, das von der Lawine völlig zerstört wurde. Neben der Bundesstraße (350 m Länge) wurde auch eine Tankstelle verschüttet und bis unter das Pultdach mit Schnee aufgefüllt. Straße und Bahn waren 3 Tage unterbrochen. Der Lawinendruck wurde mit bis zu 1,8 t/m² ermittelt.

Die Lawinenkatastrophe in St. Anton war auslösend für die Entwicklung eines digitalen Staublawinenmodells in Österreich (SAMOS).
 

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)