Wildbach-Katastrophen 1895-1910

Übernutzung der Wälder und Schneeschmelze führen zu katastrophalen Hochwasserereignissen

In der Zeit um die Jahrhundertwende, unmittelbar nach Gründung des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung, wurden in vielen Teilen Österreichs umfangreiche Schutzmaßnahmen gesetzt, um die Wildbachgefahren einzudämmen.

Zahlreiche Hochwasserkatastrophen erzwangen jedoch immer wieder eine Erweiterung des Tätigkeitsgebietes. Die Wildbach-Katastrophen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts standen im Zusammenhang mit der starken Übernutzung der Waldbestände aufgrund des großen Holzbedarfs der Salinen und der Erzverhüttung. Eine der wichtigsten Aufgaben dieser Zeit war daher die Wiederherstellung der Schutzfunktion der Wälder in den Wildbacheinzugsgebieten.

  • Übernutzung der Wälder für Bergbau und Industrie erhöht das Hochwasserrisiko
  • Extreme Niederschläge im Salzkammergut (Langbathbach/Ebensee): 403,2 mm in fünf Tagen (1897), 372,9 mm in 40 Stunden (1899)
  • Starkregen in Kombination mit Schneeschmelze löst verheerende Hochwasserereignisse in der Steiermark aus (1907)
  • Vermurung von Vandans (1910): 1,7 Mio. m³ Schotter abgelagert

Hochwasserkatastrophen im Langbathbach 1897 und 1899

In den Jahren 1897 und 1899 wurde die Gemeinde Ebensee (Oberösterreich) in kurzer Folge von zwei katastrophalen Hochwasserereignissen heimgesucht. Auslösend für das erste Hochwasser 1897 waren wolkenbruchartige Niederschläge in den letzten Julitagen. Dieses Extremereignis führte zu Überschwemmungen, Vermurungen und Zerstörungen in einem bis dahin in Ebensee nie da gewesenen Ausmaß.

Das Hochwasser von 1899 übertraf jedoch jenes von 1897 sowohl was Wasserstand als auch was die Verheerungen betrifft, bei Weitem. Durch die extreme Geschiebeaufschotterung brach der Bach rechts- und linksufrig aus und verschüttete zahlreiche Häuser bis zum Dach. Fünf Wohnhäuser wurden von den Fluten weggerissen, neun mussten infolge der schweren Beschädigungen abgetragen werden. Die Saline war gezwungen, ihren Betrieb einzustellen.

Schneeschmelzkatastrophen 1907: Teichenbach und Triebenbach

Nach einem langen Winter traten in der Obersteiermark 1907 katastrophale Schneeschmelzhochwässer auf. Besonders verheerend waren die Überflutungen im Triebenbach (Trieben) und Teichenbach (Kalwang).

Am 9. und 10. Mai überschwemmte die Teichen den ganzen Ort Kalwang. Heiße Tage kurz nach der kalten Witterung hatten ungeheure Schneemassen, die sich bis Ende April im Gebirge angesammelt hatten, zu raschem Schmelzen gebracht. Die Wassermassen hatten die Brücke im oberen Ort weggerissen und ergossen sich durch den Siedlungsraum. Es dauerte mehrere Tage, bis das Wasser wieder zurückging. Bis zu einer Höhe von 1,5 Metern lag überall Schutt und Geröll. Zum Schuttaufräumen wurden 100 Sträflinge aus Graz eingesetzt, die bis 31. Oktober zu arbeiten hatten, um den ärgsten Schutt wegzuräumen. Auch die Hochwasserkatastrophe im Triebenbach führte zur Vermurung des gesamten Ortszentrums von Trieben.

Verheerung von Vandans durch den Rellsbach (14. und 15. Juni 1910)

Extreme Niederschläge (220 mm in zwei Tagen) in Kombination mit der gleichzeitig einsetzenden Schneeschmelze löste für Vandans (Vorarlberg) katastrophale Hochwasserwellen aus den Einzugsgebieten des Rellsbaches und Auenlatschbaches aus. Die Fluten transportierten ungeheure Schottermassen in den Siedlungsraum. 31 Häuser und Ställe stürzten ein, 84 Gebäude wurden schwer beschädigt oder vermurt. Von Jetzmund am äußeren Bartholomäberg aus gesehen, bot sich Vandans als ein fast geschlossenes Schuttfeld dar: Innerhalb weniger Stunden wurde eine Fläche von 103 ha vermurt. Die Mächtigkeit der Schotterdecke betrug im oberen Teile 12 m! Sogar die Absiedelung des Ortes stand zur Diskussion.

„Eine furchtbare Wasserkatastrophe hat das Land Vorarlberg am 14. und 15. Juni 1910 in nie dagewesener Weise heimgesucht. Blühende Dörfer und Landschaften wurden überschwemmt, die Ernte vernichtet, die Bevölkerung vielfach vor den Ruin gestellt …
Am Ausgang des Rellstales ergoß er sich nach allen Seiten, haushoch und noch mehr, Steine, Schutt, Sand und Holz aufhäufend."
 

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)