Rutschung Rindberg 1999

Ein ganzer Hang samt einem Almdorf im Bregenzer Wald setzt sich in Bewegung

Kennzahlen 

  • Zeitraum: Ab 18. Mai 1999 über mehrere Monate
  • Fläche: 1,4 km²
  • Volumen: 70 Mio. m³
  • Geschwindigkeit: 30 bis 40 cm pro Tag
  • Schäden: 17 Gebäude, 65 Hektar Wald, 85 Hektar Almfläche, 5,7 km Straßen

Nach einer langen Regenperiode nahm im Mai 1999 die Entwicklung der großen Rutschung am Rindberg der Gemeinde Sibratsgfäll (Vorarlberg) ihren Lauf. Zunächst wurden am 18. Mai Risse in der Vegetationsdecke der Almen als erste Bewegungsanzeichen bemerkt. Bereits einen Tag später waren Gebäude am Unterhang beschädigt. Nach und nach beschleunigte die Bewegung, so dass bis Mitte Juni Geschwindigkeiten von 30 bis 40 cm pro Tag erreicht wurden. Ab dann beruhigte sich der Hang zwar etwas, jedoch waren noch einzelne Schuttstromareale recht aktiv. Am Unterhang kam es ab August zu weiteren großen Abbrüchen, deren Bewegungen sich erst im Oktober verringerten.

Letztendlich wurde von dieser Großhangrutschung ein Areal von 1,4 km² und ein Gesteinsvolumen von etwa 70 Mio. m³ erfasst, was etwa 4,6 Mio. LKW-Ladungen entspricht. Der Schaden war beträchtlich, denn es wurden 17 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt, 65 Hektar Wald vernichtet, 85 Hektar Almfläche als Weideland unbrauchbar und 5,7 km Straßen unpassierbar.

Zu den Wiederherstellungsmaßnahmen gehörte beispielsweise die Errichtung von 6,2 km Erschließungswegen und 24,7 km Entwässerungsgräben. Insgesamt mussten 47.000 m³ Material abtransportiert und 9.000 fm Holz geschlägert werden, bevor der Hang mit 11.000 Pflanzen wieder aufgeforstet werden konnte. Die Rutschung am Rindberg löste eine umfangreiche Prozessforschung über Ursachen und Ablauf solcher Ereignisse aus und führte zur Einrichtung von dauerhaften Beobachtungsanlagen (Monitoring).

Neue Rindberg-Kapelle mit besonderer Konstruktion

Durch die Rutschung wurde auch die alte Rindberg-Kapelle zerstört. Dank einer besonderen Holzkonstruktion war es möglich, eine neue Kapelle auf den Rutschhang zu stellen, obwohl eigentlich Bauverbot besteht. Dies wurde dadurch erreicht, dass die neue Kapelle innerhalb von 2 Tagen, sollte wieder eine Rutschung drohen, abgebaut werden kann. Nur der untere Teil des Fundaments, welches aus zwei Bodenplatten besteht, wäre verloren.

Bei kleinen Verschiebungen von bis zu 30 Zentimetern kann die neue Kapelle bereits wieder aufgebaut werden.

Gefahrenzonenplan Sibratsgfäll

Der gesamte Ort Sibratsgfäll ist von Rutschungen und Hangbewegungen betroffen. Im Zuge der Überarbeitung des Gefahrenzonenplanes wurde daher erstmals versucht, diese Gefahr kartographisch darzustellen.

Prozessforschung und Monitoring

Gefahren durch solche Rutschungen können vor allem durch präventiv wirkende Konstruktionen und Frühwarnsysteme minimiert werden. Um auch möglichst wirksame Maßnahmen und robuste Messsysteme einsetzen zu können, sind detaillierte Kenntnisse zu den gefahrenbringenden Prozessen erforderlich. Deshalb wurden auch seit dem Jahr 2000 am Rindberg im Rahmen eines Geomonitoringprogramms vielfältige Messsysteme installiert. Neben klimatischen Daten werden für längere Zeit auch geodätische, geophysikalische und hydrologische Daten online erhoben und von Experten ausgewertet.

Das Monitoringsystem am Rindberg ist in diesem Umfang in Österreich einmalig und stellt eine neue Dimension des Naturgefahren-Managements dar. 

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)