Naturkatastrophen in den 1970er Jahren

Im Dezennium 1970–80 war Österreich gleich mehrmals von verheerenden Naturereignissen betroffen

Aufgrund ihres Ausmaßes waren die Naturkatastrophen der 1970er Jahre mit ein Grund für die in den 1990er Jahren von den Vereinten Nationen ausgerufene weltweite Kampagne der „Internationalen Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen" (International Decade for Natural Disaster Reduction, IDNDR).

Niedernsiller Mühlbach 1970/71

Die Gemeinde Niedernsill (Bezirk Zell am See, Salzburg) wurde am 7. August 1970 und nahezu genau ein Jahr später, am 28. Juli 1971, nach einer mehr als 170 Jahre dauernden Periode ohne nennenswerte Ereignisse, durch Murgänge aus dem Niedernsiller Mühlbach stark in Mitleidenschaft gezogen. In beiden Fällen war wolkenbruchartiger Starkregen der Auslöser für die Murgänge. Der Murgang 1970 zerstörte 3 Wohnhäuser und beschädigte mehrere Objekte schwer; 3 Personen kamen bei diesem Ereignis ums Leben. Beim Murgang 1971 kamen zum Glück keine Personen zu Schaden, allerdings wurden rund 40 ha Gemeindefläche vermurt sowie Brücken und die 110-kV-Leitung der Tauernkraftwerke AG zerstört.

Willersbach 1972

Am 15. Juli 1972 ereignete sich am Willersbach im Bezirk Amstetten in Niederösterreich eine Hochwasserkatastrophe, bei der 4 Wohnhäuser unmittelbar gefährdet und vermurt sowie 700 lfm Landesstraße total vernichtet wurden.

Muren und Lawinen in Kärnten 1975

Im Frühjahr 1975 wurde der Oberkärntner Raum von einigen katastrophalen Lawinen- sowie Mur- und Hochwasserereignissen heimgesucht, die eine Vielzahl an Todesfällen sowie enormen Sachschaden forderten. Die schwersten Lawinenereignisse ereigneten sich dabei in den Gemeinden Winklern, Mallnitz, Malta (Baustelle des Maltakraftwerkes) und Bad Bleiberg.

Besonders tragisch war ein Lawinenabgang am 31. März 1975 in Mallnitz, der eine Feriensiedlung zerstörte und dabei 8 Todesopfer forderte und 4 Personen verletzte. Im Gemeindegebiet von Bad Bleiberg (Bezirk Villach) gingen im Frühjahr 1975 eine Vielzahl von Lawinen ab, wobei der Lawinenabgang am 31. März am schadbringendsten war. Die Schneemassen der „Hohentrattenlahner" verlegten die Landesstraße in einer Länge von 320 m stellenweise bis 7 m Höhe und drangen bis in den Friedhof vor, die Staublawine war im Ortsbereich noch spürbar. Ein Seitenast dieser Lawine riss hunderte Festmeter Holz mit sich, die ebenfalls die Landesstraße blockierten.


Im April 1975 kam es, nach der schneereichen Periode im Monat März, zu zahlreichen Hochwasser- und Murereignissen, die sich schwerpunktmäßig in Mittel- und Oberkärnten ereigneten. Die schwersten Ereignisse wurden aus den Gemeinden Feld am See und Arriach (Bezirk Villach-Land) sowie Radenthein, Ferndorf, Sappl, Stall und Heiligenblut (Bezirk Spittal/Drau) gemeldet. Begleitend zu den Hochwasser- und Murereignissen haben sich infolge ungeregelter Wasserausleitungen der Oberflächenwässer bzw. fehlender Hangstützverbauungen entlang des ländlichen Wegenetzes viele Hangrutschungen sowie Hangexplosionen ereignet.

Muren und Lawinen in Kärnten 1975

  • Katastrophenschäden in der Höhe von 14,5–18,0 Mio €
  • Insgesamt 13 Todesopfer (9 Tote infolge von Lawinenabgängen, 4 Tote durch Murgänge)
  • Allein durch Murgänge wurden 20 Objekte total zerstört und rund 90 beschädigt
  • 5 Bahnlinien und 13 Bundesstraßen waren von den Ereignissen betroffen
  • Evakuierungsmaßnahmen mussten für rund 2.000 Personen aus rund 500 Objekten getroffen werden
  • Schadholzmenge insgesamt rund 500.000 fm

Schliefaubach 1978

Ein schweres Unwetter über dem Einzugsgebiet des Schliefaubaches (Gemeinde Randegg, Niederösterreich) verursachte am 31. Mai 1978 ein enormes Hochwasser mit Schäden vielfältiger Art an der Landesstraße, Gemeindestraßen und Güterwegen sowie zahlreiche Uferanrisse in landwirtschaftlichen Bereichen und Gefährdungen von Häusern.

Hochwasser im Lößgebiet Niederösterreichs

Die niederösterreichischen und burgenländischen Lößgebiete sind aufgrund ihrer bodenphysikalischen Eigenschaften immer wieder der erosiven Kraft des Wassers ausgesetzt.

Die eindruckvollsten Hochwasser-Ereignisse im Löß fanden in Krems an der Donau (Bründlgraben) und in einzelnen Lößgräben am nördlich der Donau gelegenen Wagram bzw. der als „Wagramer Lößgräben" zusammengefassten Einzugsgebiete des südlich der Donau gelegenen Wagrams statt (Hochwasserereignisse 1966, 1968 und 1974).

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)