Naturkatastrophen von 1958 und 1959

in Steiermark, Kärnten und Oberösterreich

In den Jahren 1958 und 1959 traten in Zentralösterreich (Steiermark, Kärnten, Oberösterreich) Überflutungs- und Vermurungskatastrophen auf, die hinsichtlich des Ablaufs und des Schadensumfangs an die Hochwasserverheerungen der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts heranreichten, welche Anlass für die Gründung des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung gewesen waren. Schwerpunkte dieser Katastrophen waren das Gebiet der Fischbacher Alpen, die Region Millstättersee – Ossiachersee – Liesertal und das Salzkammergut.

Wildbachkatastrophen 1958 Steiermark und Kärnten

  • 11 Todesopfer, zahlreiche Gebäude und Straßen zerstört
  • Steiermark: 10 Mio. m³ Erd- und Gesteinsmassen abgerutscht
  • Kärnten: 300.000 m³ Schotter abgelagert
  • Steiermark: 22.000 fm Schadholz
  • 14,5 Mio. € Schaden

Hochwasserkatastrophe 1958 in der Region „Fischbacher Alpen"
Das Zusammentreffen einer Kaltfront mit einer Gewitterlage kennzeichnete diese Katastrophe als eines der extremsten Naturereignisse in Österreich seit Beginn der Aufzeichnungen. In der Nacht von 12. auf 13. August 1958 fielen im Gebiet der „Fischbacher Alpen" in der Steiermark (Raum Kapfenberg – Kindberg – Stanz – Breitenau – Mixnitz – Bruck/Mur) auf einer Fläche von 250 km² in 12 Stunden zwischen 400 und 500 mm Niederschlag (300-jährliches Niederschlagsereignis).

Dieser Extremniederschlag, verbunden mit einer vorhergehenden, zum Teil sehr intensiven Niederschlagsperiode, war ausschlaggebend für das Abrutschen von nahezu 280 ha Waldbestand sowie für zahlreiche Rutschungen und Hangabbrüche. Das Hochwasser, in Kombination mit den abgerutschten Erd- und Geröllmassen sowie dem Wildholz, hinterließ eine Spur der Verwüstung in der betroffenen Region. Besonders betroffen waren die Wildbäche „Glanzgraben", „Graschitzbach", „Sölsnitzbach", „Jaßnitzbach" und „Gabraunbach" sowie das Stanzer Tal und das Breitenauertal. Die am schwersten in Mitleidenschaft gezogene Gemeinde war Allerheiligen im Mürztal. Kleinere Siedlungen waren über Wochen von der Außenwelt abgeschnitten und mussten mit Tragtierstaffeln und Hubschraubern versorgt werden.

Wildbachereignisse 1958 in Kärnten

Ende Juli und Anfang August 1958 traten nach Starkniederschlägen auch im Raum Mittel- und Oberkärnten zahlreiche Murenabgänge auf. Besonders verheerend waren die Hochwasserereignisse in den Wildbacheinzugsgebieten im Bereich der Millstätter Alpe, die 300.000 m³ Schotter ablagerten und den Millstättersee mit 1.000 fm Schadholz bedeckten. Die Ereignisse forderten insgesamt 6 Todesopfer und führten zur Zerstörung oder Beschädigung von 83 Häusern. Die Wasserversorgung des Kurortes Millstatt war für längere Zeit unterbrochen.

Unwetter des Jahres 1959

Von Juni bis August 1959 ereigneten sind in den Nordalpen und im Alpenvorland ungewöhnlich starke Niederschläge und Unwetter, die zu extremen Hochwasserereignissen an den Flüssen Inn, Salzach, Enns, Traisen und Mürz führten. An vielen Orten wurden 100-jährliche Hochwasserabflüsse registriert. Besonders betroffen von den Unwettern war das Hausruckviertel. Die Niederschlagsmengen erreichten bis zu 224 mm in 24 Stunden (Frankenburg). Die extremen Niederschläge lösten im Alpenvorland auch zahlreiche Rutschungen aus.

Die Jahre 1958 und 1959 haben jedenfalls gezeigt, wie vielfältig die Entwicklung und der Verlauf der Hochwasserereignisse sein können, wie rasch sich diese bereits innerhalb eines Jahres in denselben Gebieten und Flüssen wiederholen können und wie es immer wieder zu katastrophenartigen Ausbrüchen der Naturelemente kommt.

Die Jägermaisrutschung am Attersee

Die steilen Hänge am Ostufer des Attersees sind durch das Vorhandensein mächtiger Zementmergel- und Mürbsandsteinschichten (Flyschzone) besonders labil gegenüber geomorphologischen Prozessen, die sich in diesem Bereich vor allem durch das muschelförmige Ausbrechen nach entsprechender Vernässung charakterisieren lassen. Massenbewegungen sind in der Flyschzone zahlreich und erreichen zum Teil enorme Ausmaße, wie die Jägermaisrutschung in der Gemeinde Kammerl am Attersee eindruckvoll beweist.

Diese – zwischen dem Konsumgraben und Grenzgraben gelegene – Rutschung setzte sich, nach ersten lokalen Bewegungen ab 1953, im Juli und August 1959, verstärkt durch die intensiven Niederschläge, in Bewegung. Auf einer Länge von rund 100 Metern begann der Hang abzureißen, das Erdreich senkte sich bis zu 15 Metern. Anfang August begann der Boden mit rund 6 Metern pro Tag zu wandern. Im Herbst hatte der Erdstrom den Attersee erreicht. Erst im Frühjahr 1960 kehrte wieder Ruhe ein. Rund 300.000 m³ Material wurden in den See verlagert, ein Wohnhaus wurde dabei zerstört. Insgesamt 6-mal musste die – infolge der Rutschung abgesenkte – Seeleiten-Bundesstraße erneuert werden.

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)