Hochwasser 2005

Die Katastrophenereignisse in Tirol und Vorarlberg

Die Hochwasserkatastrophe vom 22.–23. August 2005 in Westösterreich zählt zu den größten und flächigsten Ereignissen in Österreich seit Beginn systematischer Aufzeichnungen. Ausschlaggebend war ein Tiefdruckgebiet über dem Golf von Genua, das ab dem 20. August durch seine Zugrichtung in den nördlichen Gebiete des Alpenhauptkammes schwere Niederschläge verursachte.

Die intensivsten Regenfälle wurden vom 22. August nachmittags bis zum 23. August vormittags verzeichnet, wobei in den späten Abendstunden bzw. Nachtstunden die Niederschlagspitze erreicht wurde. Der gemessene Tagesniederschlag überstieg jenen Wert, welcher rein statistisch nur alle 150 Jahre auftritt. Aufgrund der Vorbefeuchtung des Bodens in der ersten Augusthälfte waren die Rückhaltekapazitäten stark verringert, wodurch extreme Oberflächenabflüsse auftraten. Räumlich erstreckte sich das am schwersten betroffene Gebiet vom Bregenzerwald, Arlberg und Großen Walsertal in Vorarlberg bis Außerfern, Paznauntal, Stanzertal und in die Silvrettagruppe in Tirol.

  • 175 registrierte Wildbachereignisse
  • 111 registrierte Massenbewegungen
  • 9 zerstörte Häuser, 253 beschädigte Häuser, ca. 10 km unbefahrbare Straßen
  • 1 Toter und 2 Verletzte
  • 9,9 Mio. € für Sofortmaßnahmen
  • 443,6 Mio. € Schaden

Durch die extremen Niederschläge wurden zahlreiche Umlagerungsprozesse in Wildbächen und Flüssen in Gang gesetzt. Neben Hochwasserabflüssen und Feststofftransporten kam es auch vereinzelt zu Murgängen und sonstigen Massenbewegungen. Wenn auch all diese Phänomene zumeist auf Wildbäche zutreffen, so zeigte der Sommer 2005, dass auch die inneralpinen Flüsse wie Trisanna und Rosanna wildbachähnliches Verhalten annehmen können. Maßgeblich für das großflächige Ausufern waren Gerinneüberlastungen, Rückstau im Mündungsbereich von Zubringern und rückschreitende Gerinneauflandungen.

Dadurch war ein Abfluss im Gerinne nicht mehr gewährleistet und es folgten die starken Ausbrüche in den teilweise sehr dicht besiedelten Raum. Rutschungen, Vermurungen und Ufererosion haben Bauwerke und landwirtschaftliche Flächen schwer in Mitleidenschaft gezogen oder gänzlich zerstört. Meterhohe Abflussmarken und Verschüttungen an den Objekten zeugen von der enormen Größe dieses Ereignisses. Verkehrswege wurden unterbrochen bzw. weggerissen, so dass ein Erreichen der Täler teilweise nur noch per Luftbrücke möglich war. Stromausfälle und der Zusammenbruch von Mobilfunk- und Festnetz in den Nachtstunden erschwerten die Arbeiten der Einsatzkräfte. Als Erstmaßnahmen wurden Evakuierungen, die Errichtung von Notbrücken und die provisorische Instandsetzung von Verkehrsverbindungen veranlasst.

Zeitlicher Ablauf der Ereignisse am Schnannerbach (Gemeinde Pettneu am Arlberg) nach Zeugenaussagen: 21. August 2005 – Beginn des normalen Niederschlages gegen 6:00 Uhr früh. 22. August 2005 – Gegen 20:00 Uhr starker Geschiebetransport, beginnende Auflandung des Unterlaufgerinnes des Schnannerbaches. Ab 22:00 bis etwa 3:00 Uhr baggern 2 Bagger Geschiebe aus dem Mündungsbereich. 23. August 2005 – Gegen 4:00 Uhr Brücke der Hauptstraße im Ortsgebiet verklaust (wenig Holz), rasche rückschreitende Auflandung, Bachaustritt beginnend etwa bei Haus Schnann Nr. 80. Gegen 4:30 Uhr Evakuierung der betroffenen Häuser. Gegen 6:00 Uhr erreichen Wasser und Geschiebe die Haustür des Hauses Nr. 80. Gegen 12:00 Uhr Rückgang des Wasserstandes. 13:00–13:30 Uhr Brücke im Ortsgebiet wieder freigespült. 

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)