Hochwasser 1882 in Kärnten und Tirol

Eine Naturkatastrophe als Geburtsstunde des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung

Der Sommer des Jahres 1882 war sehr niederschlagsreich. Im September gab es wieder einen mehrtägigen Regen mit Schneefall auf den Bergen. Danach folgte am 16. und 17. September ein Einbruch feuchter Warmluft aus dem Mittelmeerraum, der im Bereich der Südostalpen wolkenbruchartige Regenschauer verursachte, denen immer wieder Dauerregen folgte. Die Kombination aus Starkregen, Schneeschmelze und dem wassergesättigten Boden führte in Südtirol und Kärnten zum großräumigen Auftreten von Hangrutschen und Murgängen in den Wildbacheinzugsgebieten. Auch die Flüsse führten Hochwasser, die große Schäden nach sich zogen.

  • Hochwasser- und Murkatastrophe im September und Oktober 1882
  • Schadenssumme: 30 Mio. Gulden (umgerechnet nach heutigem Wert: 1,5 Mrd. Euro)
  • 5-monatige Unterbrechung der Südbahn im Pustertal (Südtirol)
  • Der Klausenkofelbach verwüstet das Mölltal
  • Hochwasser auslösend für die Gründung des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung in Österreich

Zweite Hochwasserwelle im Oktober

Die Behebung der ärgsten Schäden des September-Hochwassers waren noch in vollem Gange, als nach kurzer Beruhigung der Lage zwischen 26. und 29. Oktober 1882 erneut Starkregen mit Gewittern niedergingen, die in Südtirol, insbesondere aber in Kärnten weitere Rutschungen und kurz andauernde Hochwässer mit starker Geschiebeführung bewirkten. Viele der provisorischen Sanierungsmaßnahmen fielen den Fluten zum Opfer. Neuerlich wurden den Siedlungen und der Landschaft Wunden geschlagen.

Die Folgen der Katastrophe

Die Folgen der Ereignisse 1882 in Südtirol und Kärnten waren katastrophal: Zahlreiche Todesopfer, Zerstörung oder Beschädigung ganzer Ortschaften und zahlreicher Gebäude, großflächige Flurschäden, Vernichtung fast aller Brücken, lang andauernde Unterbrechung der Verkehrsverbindungen. Die Aufnahme der Schäden ergab für Südtirol und Kärnten einen Gesamtbetrag von rund 30 Millionen Gulden. Reduziert auf das heutige Staatsgebiet von Österreich (Osttirol und Kärnten) erreichte die Schadenssumme den Wert von 6 Millionen Gulden, was nach heutigen Baupreisen rund 300 Millionen Euro entspricht. Diese Katastrophe erschütterte das ganze Land und zwang die Regierung und Politiker, Maßnahmen zur Schadensbehebung und zur Vorbeugung gegen künftige Katastrophen in die Wege zu leiten.

Geburtsstunde des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung

Die Hochwasserkatastrophen 1882 waren Anlass dafür, in Österreich – so wie dies bereits in Frankreich und in der Schweiz erfolgt war – ein Gesetz für die Verbauung der Wildbäche auszuarbeiten und die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Das Gesetz „betreffend die Verkehrungen zur unschädlichen Ableitung von Gebirgswässern" RGBl. Nr. 117 trat am 30. Juni 1884 in Kraft. Gleichzeitig wurde als Grundlage für die Finanzierung der Wasserschutzbauten das Meliorationsfondsgesetz verabschiedet. Für die Durchführung der Arbeiten wurde zur gleichen Zeit der staatliche Wildbachverbauungsdienst als „Forsttechnische Abteilung für Wildbachverbauungen" des k. k. Ackerbauministeriums gegründet.

Vorbild für diese Schritte war die Entwicklung des „Forstlichen Systems der Wildbachverbauung" in Frankreich, welches den Schwerpunkt in der Konsolidierung der Oberläufe der Wildbäche und der Wiederbewaldung der Einzugsgebiete setzte. Diese Ideen verbanden sich mit dem in Tirol entwickelten Prinzip der Gewässerkorrektion, welches auf den Bau von Sperren am Grabenausgang zum Rückhalt des Geschiebes setzte, zu dem – dem Grundsatz nach noch heute gültigen – System der Wildbachverbauung in Österreich.

Erste Bewährungsprobe Klausenkofelbach

Die hier gezeigten Abbildungen sind Originalfotos aus dem Jahre 1886, welche den Klausenkofelbach und dessen Verwüstungen im Mölltal nach den Katastrophen des Jahres 1882 darstellen. Der Bruchkessel im oberen Einzugsgebiet hatte sich seit dem Jahre 1827 durch zunehmende Abrutschungen aus kleinen Anfängen auf eine Gesamtfläche von 34 ha erweitert. Das Hochwasser 1882 lagerte mehrere Millionen Kubikmeter Schotter am Talboden ab und machte die Verkehrswege im Mölltal über längere Zeit unpassierbar.

Der Bruchkessel konnte durch die Arbeiten der Wildbachverbauung in den Jahren bis 1893 (Sperreneinbauten, Entwässerungen und Aufforstungen) beruhigt werden und weist heute größtenteils eine Waldvegetation auf. Somit stellt der Klausenkofelbach eine der ersten Bewährungsproben und nachhaltigen Erfolge des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung dar.
 

Veröffentlicht am 07.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)