ÖROK-Empfehlung Nr. 54

Der finale Text der ÖROK-Empfehlung Nr. 54 ist erschienen. Das Dokument ist Ergebnis eines politischen Abstimmungsprozesses mit allen Ministerien, Bundesländern und Selbstverwaltungskörpern.

Zunehmende Schadensfälle durch gravitative Prozesse in den letzten Jahren erfordern eine verstärkte Berücksichtigung gravitativer Naturgefahren (insbesondere Rutschungen, Muren und Steinschlag) in Datenerhebungs- und -bewertungsprozessen sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren. Bei bestehenden sowie geplanten Bauten und Nutzungen ist der Umgang mit gravitativen Naturgefahren anspruchsvoll, zumal deren Prognostizierbarkeit und Beherrschbarkeit – auch im Hinblick auf den Klimawandel – besondere Herausforderungen darstellen.

Für die vielfältigen Aktivitäten und AkteurInnen auf Bundesebene und in den Bundesländern ergeben sich für eine effiziente Gefahrenbewältigung unterschiedliche Handlungsanforderungen, wobei in der praktischen Umsetzung vor allem sorgsamen Entscheidungen der Gemeinden in Planungs- und Bauverfahren Bedeutung zukommt. Aufgrund der Präventionswirkung wird vor allem im raumplanungs- und baurechtlichen Umgang mit gravitativen Naturgefahren ein wesentlicher Beitrag zum wirkungsvollen Naturgefahrenmanagement gesehen.


Konflikte aufgrund von beabsichtigten Nutzungen von Flächen, die von (gravitativen) Naturgefahren betroffen sind, sollen durch planerische Maßnahmen weitgehend vermieden werden, wobei Gebiete mit hohem Gefahrenpotenzial grundsätzlich nicht bebaut werden sollen. Verstärkt wird eine risikoorientierte Raumplanung notwendig, die durch entsprechende Planungsmaßnahmen auf eine Risikoreduktion bei
einer Siedlungsentwicklung bezüglich gravitativer Prozesse abzielt.


Nachvollziehbare Informationen über gefahrensensible Bereiche, deren systematische Bewertung und die Entwicklung von Präventions- und Risikoreduktionsstrategien sind für eine nachhaltige Raumentwicklung
erforderlich. Die Variabilität gravitativer Prozesse erfordert differenzierte Betrachtungen bei der Erhebung, Bewertung und Darstellung der jeweiligen Gefahren, sodass verschiedene prozessbezogene Kartenwerke notwendig sind.


Für die Anwendung der Empfehlungen sind auch die Aspekte der sektor- und kompetenzübergreifenden Betrachtung der Risiken, die Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten in den Bundesländern, einschließlich bereits umgesetzter Konzepte, sowie die Grundsätze von Risk Governance maßgeblich.

Die nachfolgenden ÖROK-Empfehlungen wurden auf Grundlage der Materialen der ÖREK-Partnerschaft „Risikomanagement für gravitative Naturgefahren in der Raumplanung“ und insbesondere der entsprechenden „Fachlichen Empfehlungen“ erarbeitet.

Veröffentlicht am 16.12.2015, Abteilung III/5 - Wildbach- und Lawinenverbauung