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Neophytenmanagement

Als gebietsfremde Pflanzen, sogenannte Neophyten, werden jene Arten bezeichnet, die nach dem Jahr 1492, der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus, an einen für sie neuen Standort gelangten.

In Europa geht man derzeit von rund 7.000 bekannten Arten aus, wobei auch zum Beispiel Erdäpfel, Tomate und Robinie als Neophyten zu betrachten sind. Als „invasive Pflanzen“ werden jene bezeichnet, die sich durch starke Konkurrenzfähigkeit gegenüber einheimischen Arten zu deren Nachteil im Gebiet dauerhaft ausbreiten können.

 

Schaden durch widerstandsfähige Neophyten

Als Faustregel gilt, dass von rund 1.000 eingeschleppten Arten rund 10 in ihrer neuen Heimat auf Dauer Fuß fassen können. Davon kann meist eine Art zum Problem werden und teilweise enorme Schäden anrichten. Die Kosten lassen sich nur schwer beziffern, aber nach einer Studie des Instituts für Europäische Umweltpolitik, die 2009 erstellt wurde, werden die jährlichen Kosten der Schadensbegrenzung für Europa auf mindestens 12 Milliarden Euro geschätzt.

 

Invasive Neophyten verfügen dabei oft über besondere Ausdauer und Anpassungsfähigkeit und können Trocken- und Nassphasen ebenso bewältigen wie Hitze oder Kälte. Einige Arten verfügen auch über sekundäre Pflanzenstoffe, die ihre Verbreitung durch Unterdrückung anderer Arten sichern. Für zahlreiche Neophyten wirkt sich der einsetzende Klimawandel positiv aus, da – vereinfacht gesagt – durch wärmere und kürzere Winter diese Arten durch Kälteperioden nicht mehr so stark dezimiert werden wie dies noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war, aber auch weil manche heimische Arten nicht so rasch auf diese klimatischen Veränderungen reagieren.

 

Langfristig zeigen einige Neophyten die Fähigkeit, sich in Bereichen ihres Eindringens und bei fehlender oder mangelhafter Bekämpfung – wie oft auch an Gewässern – zu Monokulturen zu entwickeln, die in weiterer Folge heimische Pflanzen und die daran angepasste heimische Tierwelt auf Dauer verdrängen. Zusätzlich können manche invasive Arten die Stabilität von Uferböschungen und Bauwerken erheblich beinträchtigen, daher sind invasive Neophyten im Sinne des Hochwasser- und Gewässerschutzes höchst problematisch.

 

Neophytenmanagement

Ein Neophytenmanagement muss nicht zwangsläufig die Kosten für die Pflege erhöhen und kann langfristig gesehen die Kosten der Pflege sogar senken. Dazu ist das Verständnis der prinzipiellen Ausbreitungsmöglichkeiten der invasiven Arten nötig und das Wissen um ihre Bekämpfung und die Möglichkeiten, potenzielle Standorte für diese Arten unattraktiv zu gestalten. Dazu muss möglichst frühzeitig reagiert werden, um größere Schäden und höhere Kosten zu verhindern.

 

Der neue ÖWAV-Arbeitsbehelf 49 Neophytenmanagement – Behandlung invasiver gebietsfremder Pflanzenarten gibt detaillierte Anleitungen zu den Möglichkeiten der Bekämpfung der verschiedenen invasiven Arten. Ein Schwerpunkt liegt dabei darauf, durch die eigene Vorgehensweise nicht selbst zur Verbreitung beizutragen. Daher ist es besonders wichtig, die Möglichkeiten der Ausbreitung der einzelnen Arten zu verstehen, den Zeitpunkt der Blüte abschätzen zu können und dementsprechende Maßnahmen zu setzen. Die Beseitigung des Materials nimmt dabei eine wesentliche Rolle ein. Eine biologische Behandlung von austriebsfähigem Pflanzenmaterial ist dabei nach Möglichkeit vorzuziehen. Falls aber die biologische Behandlung die Gefahr neuer Ausbreitungsmöglichkeiten einschließt, oder die örtlichen Gegebenheiten eine biologische Behandlung nicht zulassen, müssen alternative Behandlungsmaßnahmen gewählt werden.

 

Der Arbeitsbehelf kann beim ÖWAV oder beim Österreichischen Normungsinstitut Austrian Standards erworben werden und  stellt die Weiterentwicklung des ÖWAV-Ausschusspapiers Neophytenmanagement von 2013 dar, welches weiterhin als Download verfügbar ist. Unter dieser Adresse werden auch die gleichfalls überarbeiteten und erweiterten Steckbriefe ausgewählter invasiver Neophyten mit Bekämpfungsmaßnahmen, die zum Gebrauch für den Praktiker oder die Praktikerin entwickelt wurden, zum Download angeboten.