Nutzung fachlich relevanter Projekte (GRAVIMOD)-Hinweiskarte Wald mit direkter Objektschutzfunktion

Die im Rahmen des Projektes GRAVIMOD I erstellte Hinweiskarte auf Gefahren- und Schadenspotenziale durch Schneelawinen und Steinschlag unterstützt die Abgrenzung von Objektschutz- und Bannwald sowie die Planung von Maßnahmen.

Wald mit direkter Objektschutzfunktion (OSF) befindet sich im potenziellen Wirkungsraum von Elementargefahren mit Schadenspotenzial an zu schützenden Objekten.

Stockt also ein Wald z.B. auf einer Fläche, auf der (ohne Schutzwirkung des Waldes) aufgrund der Hang- und Schneeverhältnisse Lawinen anbrechen könnten, oder in einer Lawinensturzbahn, dann handelt es sich um einen Wald mit direkter Objektschutzfunktion, sofern eine Lawine ein zu schützendes Objekt erreichen könnte. Dabei spielt es keine Rolle, ob bereits ein Lawinenereignis stattgefunden hat, oder nicht. Aber auch Flächen, die nach der gesetzlichen Walddefinition kein Wald sind, können eine Objektschutzfunktion begründen, wenn waldbauliche Maßnahmen wie Aufforstungen zu einer Schutzwirkung des Waldes führen können.

Sind besondere Maßnahmen erforderlich, um die Schutzwirkung der Bestockung auf bestehenden Waldflächen mit Objektschutzfunktion zu erhalten oder herzustellen, dann sind diese Waldflächen Objektschutz- oder Bannwälder. Durch natürliche Prozesse und waldbauliche Maßnahmen können Gefahrenprozesse entstehen, die zu Schäden an Siedlungsflächen und Infrastrukturanlagen führen. Um räumlich gezielt eingreifen zu können, wenn die Schutzwirkung des Waldes abnimmt, und um Schäden durch waldbauliche Maßnahmen zu verhindern, müssen die potenziellen Prozesszonen gravitativer Naturgefahren so genau wie möglich bekannt sein. Es ist aber nicht immer eindeutig sichtbar, ob z.B. aus einem Schlag eine Lawine oder ein Baumsturz die darunterliegende öffentliche Straße erreichen könnte.

Eine Hilfe bietet eine objektorientiere Prozessneigungs- und Prozessreichweitenmodellierung. Daher wurden Lawinen- und Steinschlagzonen für ganz Österreich modelliert, und die Zonen mit einem Gefahren- und Schadenspotenzial für zu schützende Objekte ausgewiesen.

Die Klassifikation der Zonen beruht auf dem Konzept nach der Waldentwicklungsplan-Richtlinie. Es sieht eine Einteilung der Objektschutzfunktion in drei ordinale Klassen der Bedeutung der Schutzwirkung des Waldes vor (S3 - hoch, S2 - mittel, S1 - gering) vor, die sich einerseits aus dem Gefahrenpotenzial und andererseits aus einer Wertung der zu schützenden Objekte ergeben. Die Objektklassifikation wurde auf vorhandene digitale Geodaten abgestimmt und nach risikoanalytischen Aspekten modifiziert. Die klassifizierten Lawinen- und Steinschlag-Prozesszonen mit Schadenspotenzial wurden zur Darstellung der Schutzwaldkulisse mit der Waldfläche verschnitten.

Zur Modellierung des Gefahren- und Schadenpotenzials wurden aufgrund des großen Rechenaufwands einfache Modellansätze entwickelt und umgesetzt. Zudem ist die Aktualität digitaler Geodaten über die zu schützenden Objekte begrenzt. Daher ist auf jeden Fall eine lokale Plausibilitätskontrolle erforderlich.

Vor allem für den Prozess Steinschlag und Lawinen unterhalb der Waldgrenze ist im Hinblick auf die Anforderungen waldbaulicher Planung die Übereinstimmung mit dokumentierten Ereignissen befriedigend. Für Lawinen, die an oder oberhalb der Waldgrenze anbrechen können, sollte zusätzlich der Lawinenkataster verwendet werden.

Das Projekt wurde mit Unterstützung von Bund, Ländern und der Europäischen Union (LE 07-13) durchgeführt.

Einen BFW-Artikel und Informationen zum Endbericht des Projektes finden Sie hier.

Veröffentlicht am 24.04.2017, Abteilung III/4 - Forstliche Raumplanung und nachhaltige Entwicklung der Waldressourcen