Begriffsdefinitionen Schutzwirkung und Schutzfunktion

Aufgrund der geltenden Rechtlage im Österreichischen Forstgesetz werden die Begriffe "Schutzwirkung" und "Schutzfunktion" auf gegenständlichen Artikelseiten meist synonym verwendet.

Eine kurze Erläuterung der fachlichen Unterschiede soll Ihnen die beiden Begriffe im Detail erläutern.

Die "Waldfunktion" ist die von der Gesellschaft dem Raumelement Wald übertragene Aufgabe eine bestimmte Wirkung bzw. Leistung auszuüben, z. B. die Aufgabe des Waldes vor Schäden durch Naturgefahren zu schützen. Die Frage in Bezug auf einen bestimmten Waldbestand ist dabei: Was soll dieser Wald für Wirkungen haben? Oder: Welche Waldflächen sollen eine bestimmte Wirkung (z. B. eine Schutzwirkung) haben? Im Hintergrund steht also primär die Frage nach dem Wo einer Wirkung des Waldes für den Nutzen bzw. die Bedürfnisse der Gesellschaft (z. B. Wo SOLL Wald schützen?).

Eine Waldfunktion ist keine Frage des Waldzustands, sondern hängt vom "Standort" ab, der Gefahren-, Schadens- und /oder Leistungspotenziale des Waldökosystems erzeugt. Der Begriff Standort meint hier sowohl die Lage (des Waldes oder einer bestockungsfähigen Fläche) im Beziehungsgefüge der Raumelemente als auch den forstökologischen Standortsbegriff. Die Schutzfunktion des Waldes kann auf Flächen relevant sein, die bewaldet oder auch nicht bewaldet sind. Eine Waldfunktion kann auch dann bestehen, wenn der Wald die von der Gesellschaft verlangten Wirkungen (bzw. im sozioökonomischen Sinn „Leistungen“) nicht oder nicht ausreichend hat, weil das aufgrund des momentanen Zustands des Waldes und/oder des generellen Wirkungspotenzials des Waldökosystems (auch bei optimierten Zustand) nicht möglich ist.

Es gibt allerdings auch Autoren (z. B., Schönenberger, 1998), die dem Wald nur dann eine bestimmte Funktion zuweisen, wenn das generelle Wirkungspotenzial so hoch ist, das der Wald zumindest im optimierten Zustand auch eine deutlich bemerkbare Wirkung im Verhältnis zum unbewaldeten Zustand hat. Es ist aber nur schwer möglich dieses Wirkungspotenzial (bzw. eine Potenzialgrenze) zu definieren.

Der Begriff Waldfunktion stammt ursprünglich von Dieterich (1953) und meint in den Worten von Riegert & Bader (2010) „ … a societal demand posed to forests ...“; das Konzept ist allerdings älter wie der Begriff. Leider hat man aber dann begonnen die Begriffe Aufgabe und Wirkung zu durchmischen, da der Begriff „function“ auch für Wirkung verwendet wird. Manche Autoren sprechen statt von „forest functions“ auch von „forest tasks“.

Der Begriff "Waldwirkung" beschreibt einerseits den Mechanismus (1) und anderseits das Ausmaß bzw. den Effekt (2) der Aufgabenerfüllung. Zur Differenzierung wird daher für den Sachverhalt (1) die Verwendung des Begriffes "Wirkungsmechanismus" vorgeschlagen. Die Frage hinter dem Sachverhalt (2) ist: Wie gut erfüllt der Wald eine relevante Funktion (z. B. Wie gut IST der Schutz durch Wald?). Im Gegensatz zur Waldfunktion ist die Waldwirkung vom Zustand des Waldes abhängig. Im sozioökonomischen Kontext wird für die Waldwirkung auch der Begriff Waldleistung verwendet.

Handelt es sich beim Wald auf einem steilen Hang unterhalb eines Felsens und oberhalb einer Straße um eine Blöße, dann hat der Wald zwar eine "Schutzfunktion", aber keine oder nur eine geringe "Schutzwirkung".

Man könnte den Begriff "Waldfunktion" auch mit "Soll-Waldwirkung", den Begriff "Waldwirkung" mit "Ist-Waldwirkung gleichsetzten. Aber auch das ist nicht ganz korrekt. Denn grundsätzlich ist der Begriff Funktion wirkungsunabhängig.

International hat sich der Begriff „Waldfunktion“ für die gesellschaftlichen Aufgaben des Waldes analog zum raumplanerischen Konzept der Raumfunktionen anderer Raumelemente, wie z. B. der Verkehrsfunktion (Verbindungsfunktion) von Verkehrsflächen, eingebürgert.

 

Quelle: DI Frank Perzl / BFW

Dieterich, V. (1953): Forstwirtschaftspolitik – Eine Einführung. Verlag Paul Parey, Hamburg.

Riegert, C., Bader, A. (2010): On uses, effects, meanings and tasks of German forest. Linking forest functions and ecosystem services. Background paper. Solutions for Sustaining Natural Capital and Ecosystem Services. International Conference and Workshop – Salzau Castle and Kiel University (June 7th 2010 – June 11th 2010); http://www.uni-kiel.de/ecology/projects/salzau/wp-content/uploads/2010/02/Background-Paper-Riegert_Bader.pdf

Schönenberger, W. (1998): Adapted silviculture in mountain forests in Switzerland. In: Proceedings of IUFRO Inter-Divisional Seoul Conference, October 12-17, 1998, Seoul, Korea: 142-147

Veröffentlicht am 09.01.2018, Abt. III/4