Hochwasserrichtlinie

Ziel dieser Richtlinie ist eine wirksame Hochwasservorsorge und Begrenzung von Hochwasserschäden.
 

Die Richtlinie 2007/60/EG über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken (ABl L 288/27) verpflichtet die Mitgliedstaaten, jene Einzugsgebiete und zugehörigen Küstengebiete zu ermitteln, für die ein signifikantes Hochwasserrisiko besteht und für diese Gebiete Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten sowie Pläne für das Hochwasserrisikomanagement zu erstellen.

Die Richtlinie hat zum Ziel, einen Rahmen für die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken zu schaffen und dadurch zur Verringerung der hochwasserbedingten nachteiligen Folgen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten in der Gemeinschaft beizutragen.

Die Richtlinie sieht eine dreistufige Planung vor:

  • Vorläufige Risikobewertung: Eine bundesweit durchgeführte Bewertung des Hochwasserrisikos und - darauf aufbauend - die Auswahl der Risikogebiete, in denen ein potenzielles signifikantes Hochwasserrisiko besteht.
  • Gefahren- und Risikokarten: Für alle Risikogebiete werden Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten erstellt.
  • Risikomanagementplan: auf Grundlage der vorläufigen Risikobewertung sowie der Gefahren- und Risikokarten werden Ziele und Maßnahmen für ein integriertes Hochwasserrisikomanagement gemeinsam mit den relevanten Fachbereichen und unter Einbeziehung der Öffentlichkeit geplant und umgesetzt.

Im ersten und aktuellen Planungszyklus wurde die vorläufige Bewertung Ende 2011 und die Erstellung der Gefahren- und Risikokarten Ende 2013 abgeschlossen. Die Managementplanung wird nach Ablauf der Öffentlichkeitsbeteiligung Ende 2015 abgeschlossen. Diese Planungen sind, abgestimmt an die aktuelle Gefährdungslage, alle sechs Jahre zu wiederholen.

Vorläufige Bewertung des Hochwasserrisikos

Die vorläufige Bewertung des Hochwasserrisikos soll auf Grundlage vorhandener oder leicht abzuleitender Informationen durchgeführt werden, um eine Einschätzung der potenziellen Risiken durch Hochwasser vorzunehmen.

Hochwasser wird als zeitlich beschränkte Überflutung von Land, das normalerweise nicht mit Wasser bedeckt ist, definiert, wobei alle Arten von Überflutungen zu berücksichtigen sind (z. B. Überflutungen durch Fließgewässer, Regen, Wasserinfrastruktur etc.). Hochwasserrisiko wird im Sinne der EU-HWRL als Kombination der Wahrscheinlichkeit eines Hochwassers mit dem Vorhandensein eines Schadenspotenzials definiert.

Die vorläufige Bewertung des Hochwasserrisikos ist an den nachteiligen Auswirkungen auf vier Kategorien von Schutzgütern zu orientieren:

  • menschliche Gesundheit
  • Umwelt
  • Kulturerbe
  • wirtschaftliche Tätigkeiten.

Die Bewertung ist auf der Grundlage von signifikanten vergangenen Hochwasserereignissen und, soweit maßgeblich, von potenziellen künftigen Hochwässern vorzunehmen.

Die Bewertung ist auch in Gebieten mit bestehenden Hochwasserschutzanlagen durchzuführen, um das Risiko im Überlastfall oder bei Versagen von Schutzbauwerken zu bewerten.

Auf Basis dieser Risikobewertung sind Gebiete zu bestimmen, für die ein potentielles signifikantes Hochwasserrisiko besteht oder für wahrscheinlich gehalten werden kann.

An Österreichs Gewässern wurden insgesamt 391 Gerinnestrecken mit Hochwasserrisiko ausgewiesen.

Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten

Hochwassergefahrenkarten sind  auf der Ebene der Flussgebietseinheiten in einem geeigneten Maßstab  zu erstellen. Die Hochwassergefahrenkarten dienen einer effektiven Kommunikation des Gefährdungsgrades durch Hochwässer. Um der breiten Öffentlichkeit einen einfachen Zugang zu ermöglichen, werden sie im Wasserinformationssystem Austria (WISA) verfügbar gemacht.

Hochwassergefahrenkarten haben jene Gebiete zu erfassen, die unter Berücksichtigung der für die Charakteristik des jeweiligen Einzugsgebietes typischen Feststoffprozesse wie Geschiebe- und Wildholzführung sowie der gewässermorphologischen Prozesse überflutet werden können bei Szenarien von Hochwässern

  • niedriger Wahrscheinlichkeit (voraussichtliches Wiederkehrintervall 300 Jahre oder Extremereignis)
  • mittlerer Wahrscheinlichkeit (voraussichtliches Wiederkehrintervall zumindest 100 Jahre) und
  • hoher Wahrscheinlichkeit (voraussichtliches Wiederkehrintervall 30 Jahre).

Für jedes beschriebene Szenario sind das Ausmaß der Überflutung (Wassertiefe bzw. gegebenenfalls Wasserstand) und gegebenenfalls die Fließgeschwindigkeit anzugeben.

Die Hochwasserrisikokarten verzeichnen potenzielle hochwasserbedingte negative Auswirkungen nach den beschriebenen Szenarien. Dabei sind insbesondere die Anzahl der potenziell betroffenen Einwohner (Orientierungswert) und die Art der wirtschaftlichen Tätigkeiten in dem potenziell betroffenen Gebiet anzugeben.

Hochwasserrisikomanagementpläne

Als dritter und letzter Planungsschritt wird derzeit, wie in allen EU-Mitgliedsstaaten, der erste Hochwasserrisikomanagementplan (RMP) für die Planungsperiode 2016 bis 2021 erstellt, in welchem angemessene Ziele zur Risikoreduktion definiert und Maßnahmen und deren Rangfolge zur Zielerreichung festgelegt werden. Neben einer Darstellung der oben beschriebenen Planungsschritte enthält der vorliegende Entwurf des Hochwasserrisikomanagementplans eine Beschreibung der Rangfolge und der Methode, nach der die Fortschritte bei der Umsetzung überwacht werden, eine Zusammenfassung der zur Information und Anhörung der Öffentlichkeit ergriffenen Maßnahmen, eine Liste der zuständigen Behörden und eine Beschreibung der Koordinierungsverfahren innerhalb jeder internationalen Flussgebietseinheit sowie des Koordinierungsverfahrens mit der Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie).

Weiterführende Informationen, Grundlagen- und Hintergrunddokumente zum RMP sowie der Umweltbericht gemäß Richtlinie für die strategische Umweltprüfung (SUP-RL) stehen im Wasserinformationssystem Austria (WISA) zur Verfügung.

Ziele des Hochwasserrisikomanagements

Basierend auf den Handlungsfeldern des Risikokreislaufs wurden die unten angeführten angemessenen Ziele festgelegt. Dabei wurde der zeitliche Ablauf eines Hochwasserereignisses als Anhaltspunkt genommen. Die generelle Formulierung für die bundesweite Festlegung wird im Rahmen der Bearbeitung, Darstellung und Interpretation der einzelnen Maßnahmentypen präzisiert.

Ziel 1: Vermeidung neuer Risiken vor einem Hochwasserereignis

Die Vermeidung neuer Risiken wird im Wesentlichen durch planerische Maßnahmen bzw. nicht-bauliche Maßnahmen (z.B. Gefahrenzonenplanung, Widmung, örtliche Entwicklung, Bauordnung, Instandhaltung etc.) erreicht. Einerseits ist es von Bedeutung, auf die möglichen Gefährdungen und Risiken hinzuweisen, andererseits ist es notwendig, diese Information bis zum potentiell betroffenen Bürger zu kommunizieren. Neben der Ausweisung und Kommunikation der Gefährdung spielt hier auch die Eigenvorsorge durch angepasste Nutzung und Entwicklung eine wesentliche Rolle.

Ziel 2: Reduktion bestehender Risiken vor einem Hochwasserereignis

Die Reduktion bestehender Risiken kann entweder durch die Anpassung des Bestandes, den baulichen Schutz oder aber auch die Entfernung von Schadenspotentialen aus dem Gefährdungsbereich erreicht werden. Um dieses Ziel zu verfolgen ist es notwendig aufbauend auf vorgelagerten Planungsschritten das richtige Bündel an Maßnahmen zu finden. Im Rahmen baulicher Maßnahmen sollte hier Rückhaltemaßnahmen Vorrang vor linearen (Hochwasserschutzdamm) Verbauungen eingeräumt werden. Im Rahmen der nicht-baulichen Maßnahmen spielen ebenso die hochwasserangepasste Nutzung und Entwicklung neben einer umsichtigen Planung eine wesentliche Rolle.

Ziel 3: Reduktion nachteiliger Folgen während und nach einem Hochwasserereignis

Im Hochwasserfall selbst und unmittelbar danach kann durch eine vorausschauende und mit Einsatzorganisationen, Behörden und den betroffenen Bürgern gut abgestimmte Einsatzplanung eine wesentliche Reduktion des Schadens erreicht werden. Durch die Planung der Evakuierung, aufbauend auf detaillierten Informationen aus z.B. Gefahrenzonenplanungen, kann hier das Risiko für alle Schutzgüter reduziert werden. Der Bereich des Katastrophenschutzes und vor allem seine Instrumente der Warnung, Alarmierung und des Einsatzes selbst sind hier besonders gefordert.

Ziel 4: Stärkung des Risiko- und Gefahrenbewusstseins

Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre (speziell 2002 und 2013) haben gezeigt, dass es von entscheidender Bedeutung ist, dass das Risiko- und Gefahrenbewusstsein hoch ist. Dadurch kann im Ereignisfall richtig gehandelt werden. Die Vergangenheit zeigt aber auch, dass nach einem Hochwasserereignis, selbst bei unmittelbar Betroffenen, dieses Bewusstsein sehr rasch wieder sinkt und im Durchschnitt nach ca. 10 Jahren sich wieder auf geringem Niveau befindet. Somit müssen gezielt Maßnahmen in den Bereichen der Information, Konsultation und Partizipation sowie der Bildung gesetzt werden, um das Hochwasserrisikobewusstsein auf ein hohes Niveau zu bringen (bzw. dieses unmittelbar nach Hochwasserereignissen auf hohem Niveau zu halten).

Informationen zu den einzelnen Umsetzungsschritten der Hochwasserrichtlinie und zur Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Planungsprozess finden Sie im Wasser Informations System Austria - WISA (http://wisa.bmlfuw.gv.at).

Neben den relevanten Planungsdokumenten der einzelnen Arbeitsschritte finden sich auf WISA auch Darstellungen der Ergebnisse mittels Web-GIS Viewer sowie zahlreiche Grundlagen- und Hintergrunddokumente.

Veröffentlicht am 11.02.2015, BMLFUW IV/5