Österreichs Exposition für Alpine Naturkatastrophen

Die österreichische Bevölkerung ist – weit mehr als sie dies wahrnimmt – im vielen Regionen des Landes von Naturgefahren betroffen. Besonders stark ist die Exposition für Katastrophenereignisse in den Gebirgstälern der Alpen und entlang der Flussläufe. Doch wer kann tatsächlich exakt bestimmten, wie hoch das Risiko durch Naturgefahren an einem bestimmten Ort ist?
 

Zeichnet man eine „Naturgefahren-Landkarte“ von Österreich, ergibt sich folgendes grobes Bild:
Aufgrund der gebirgigen Topographie des Landes und der klimatischen Bedingungen sind nur 38% des Bundesgebietes als Dauersiedlungsraum geeignet. Somit konzentriert sich die Besiedelung auf die tiefer liegenden und flacheren Bereiche, sodass in diesen Räumen eine Bevölkerungsdichte von 243 Einwohnern pro km² erreicht wird. Das Schadenspotenzial durch Naturkatastrophen ist in diesen Gebieten besonders hoch.

Große Teile der Landesfläche sind von Hochwasserrisiken betroffen. Es bestehen ca. 100.000 km Fließgewässer und 9.000 stehende Gewässer, die durch Hochwasserstände den menschlichen Lebensraum bedrohen können. In alpinen Gebieten geht die größte Gefährdung von Wildbächen und Lawinen aus (67% des Staatsgebietes liegen in Wildbach- und Lawineneinzugsgebieten). Das Auftreten von Massenbewegungen (Talzuschub, Rutschungen, Felssturz und Steinschlag) ist stark von den geologischen Verhältnissen des Gebietes abhängig. Rutschungen treten in Österreich insbesondere in der „Flyschzone“ (zwischen Wiener- und Bregenzerwald) sowie in Gebieten mit verwitterungsanfälligen Schiefer- und Sedimentgesteinen (z.B. „Grauwackenzone“, Alpenvorland) auf. Berg- und Felsstürze sind auf Gebiete mit Festgesteinen in den Zentralalpen und Nördlichen Kalkalpen konzentriert. Steinschlag kommt praktisch an allen felsdurchsetzten Hängen in Österreich vor. Eine der wichtigsten Informationsquellen, um die Exposition der Regionen und Gemeinden für das Auftreten von Alpinen Naturkatastrophen kartographisch darstellen zu können, ist die Dokumentation von eingetretenen Ereignissen.

Der Folgende Abschnitt zeigt Beispiele, die den Stand der Erfassung und Dokumentation historischer Naturkatastrophen (Hochwässer, Muren, Lawinen, Steinschläge, Bergsturze, Rutschungen) wiedergeben. Die dargestellten Karten geben einen guten Überblick über die „Hot Spots“ der Katastrophenexposition des Lande, zeigen aber auch deutlich die noch bestehenden Lücken in den Datenbeständen. Daraus wird ersichtlich, wie wichtig die systematische Dokumentation von Ereignisse ist und welche Anstrengungen unternommen werden müssen, um einen räumlich und zeitlich vollständigen Datensatz aller Alpinen Naturkatastrophen in Österreich zu schaffen.