Rutschungen und Hangmuren 2005 in der Steiermark

Die Gemeinden Gasen und Haslau wurden von den abgerutschten Ermassen lahmgelegt, zwei Menschen wurden getötet

Im August 2005 verursachten Niederschläge im Westen und Südosten Österreichs schwere Schäden. Diese resultierten in der Oststeiermark – im Gegensatz zu den Katastrophenregionen Westösterreichs – weniger aus Gerinneprozessen (Hochwasser, Murgänge), sondern eher aus gerinnefernen Massenbewegungen (Rutschungen und Hangmuren). Das auslösende Niederschlagsereignis war durch hohe, kontinuierlich fallende Niederschläge gekennzeichnet. Ab der Nacht vom 21. auf den 22. August 2005 ereigneten sich dann über mehrere Tage hinweg innerhalb der Gemeinden Gasen und Haslau mehr als 780 Massenbewegungen (Gebietsfläche: ca. 60 km²). Sowohl die Ortschaften, als auch die Verbindungsstraßen wurden vielerorts verwüstet, so dass viele Bewohner evakuiert werden mussten und tagelang von der Außenwelt abgeschnitten waren.
 

Im Schadensgebiet wurden in der Folge umfangreiche Dokumentationen der Rutschungsereignisse und darauf aufbauend Studien zur Abschätzung der Risikodisposition für Rutschungen und Hangbewegungen durchgeführt. Ziel dieser Erhebungen war es, ein besseres Verständnis für die Auslösemechanismen der Massenbewegungen zu erhalten und die Grundlagen für eine Gefahrenkartierung in den betroffenen Gemeinden zu schaffen.

» Mehr als 780 einzelne Massenbewegungen (Rutschungen, Hangmuren)
» Zahlreiche Hochwasserschäden
» 3 zerstörte, 22 beschädigte Wohngebäude
» 2 Tote
» Hoher wirtschaftlicher Schaden für die Gemeinden und Betriebe durch monatelange Sperre der Landesstraße

» Gesamtkosten der Sofortmaßnahmen der WLV ca. 1,1 Mio. €

Schadensumfang


Im Katastrophengebiet wurden insgesamt mehr als 780 Einzelereignisse registriert. Davon entfiel die überwiegende Zahl auf die Kategorie „Massenbewegungen" (Rutschungen, Hangmuren). 28 Meldungen betrafen „Hochwasserereignisse". Der Großteil der Schäden entfiel auf die Gemeinde Gasen. Die größte dokumentierte Massenbewegung wies eine Fläche von 25.000 m² auf (Gemeinde Haslau). 2 Todesopfer und große Sachschäden waren die unmittelbare Folge der Katastrophenereignisse. Privathäuser, Betriebsanlagen und Verkehrswege wurden beschädigt oder zerstört, Wald und landwirtschaftliche Flächen verwüstet. Straßensperren beeinträchtigten monatelang das gesamte Wirtschaftsleben.

Konsequenzen der Katastrophe
Die Rutschungskatastrophe von Gasen und Haslau hat gezeigt, dass auch Niederschläge mit relativ geringer Intensität zu extremen Schäden führen können. Besonders bedeutsam war dabei die Vorregensumme, die 80 % über dem langjährigen Durchschnitt lag. Im Hinblick auf eine verbesserte Prognose von Katastrophen wird diesen Szenarien zukünftig höhere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Weiters stellt sich die Frage, ob Gefahren durch Massenbewegungen überhaupt vermieden werden können? Die Antwort könnte lauten: ja, wenn dem Prinzip des Freihaltens gefährdeter Bereiche durch Massenbewegungen Folge geleistet werden könnte und würde. So enthalten die planungsrelevanten Gefahrenzonenpläne der Gemeinden Gasen und Haslau nunmehr Informationen zu massenbewegungsbezogenen Gefahrenbereichen. 

Veröffentlicht am 11.12.2012, BMLFUW IV/5