Lawinenwinter 1999 und die Katastrophe von Galtür

48 Lawinenabgänge im Februar 1999 in den Bezirken Imst und Landeck

» 38 Tote, 28 Verletzte
» Gebäudeschäden: 13 zerstörte Wohnhäuser (weitere 42 beschädigt)
» 30 zerstörte Wirtschaftsgebäude (weitere 13 beschädigt), 7 beschädigte Gewerbebetriebe
» Sachschaden: fast 10 Mio. €
» Rund 12.000 Personen wurden per Hubschrauber aus dem Paznauntal ausgeflogen
» Bundes- und Landesstraßen wurden durch insgesamt 122 Lawinen verschüttet und über längere  Zeiträume gesperrt

» 85.000 fm Holz wurden geworfen

Die Katastrophenlawine von Galtür
Der Lawinenwinter 1999 war geprägt durch verheerende Lawinenereignisse im Zeitraum vom 21.–24. Februar. Vorangegangen waren drei sehr intensive kurz aufeinanderfolgende Schneefallperioden mit enormen Neuschneemengen (27. Jänner–25. Februar 1999). Begleitet waren diese Schneefälle von stürmischen Nordwestwinden, wodurch zusätzlich ungeahnte Schneemengen in Form von Triebschneeansammlungen insbesondere in den kammnahen Bereichen abgelagert wurden. Verschärft wurde die Situation zusätzlich durch den kurzen Temperaturanstieg am 22. Februar (Anstieg der Schneefallgrenze weit über 2.000 m Seehöhe).


Die Folge war der Abgang einer Staublawine, deren zerstörerische Wirkung als „Die Katastrophenlawine von Galtür" in die Geschichte einging:
Am 23. Februar brach um 16:00 Uhr auf der orographisch linken Talflanke nördlich des Hauptorts Galtür vom Grat östlich des Grieskopfes (2.764 m) auf einer Breite von rund 400 m eine trockene Schneebrettlawine. Sie stürzte als Staublawine durch die Sturzbahnen der „Äußeren Wasserleiter-Lawine" und der östlich benachbarten „Weiße-Riefe-Lawine" und richtete im Ortsteil „Winkl" schwere Schäden an. Die Sachschäden und die Lawinentoten gingen auf das Konto der „Äußeren Wasserleiter-Lawine". Von der Katastrophenlawine verschüttet bzw. betroffen waren 60 Personen, davon wurden 31 getötet, 2 schwer und 20 leicht verletzt. 6 Wohngebäude wurden zerstört, 7 schwer und 11 leicht beschädigt. Allein der Sachschaden an Gebäuden und Einrichtungen wurde auf 5,3 Mio. € geschätzt. Im Zuge der groß angelegten Evakuierungsaktion wurden 12.000 Menschen aus dem durch Lawinen abgeschnittenen Paznauntal mit Hubschraubern ausgeflogen.
 

Unmittelbar nach dem Ereignis wurden Direktschutzmaßnahmen in Form von Lawinenmauern mit einer Länge von 474 m und eine Anbruchverbauung mit Stahlschneebrücken im Ausmaß von 4.300 m umgesetzt. Zusätzlich wurde zur Unterstützung der Lawinenkommission eine automatische Wetterstation errichtet. Das Lawinenereignis war Auslöser für die Verschärfung der Kriterien für Lawinen-Gefahrenzonen.

Valzur
Am 24. Februar 1999 stürzte um 16:15 Uhr – also rund 24 Stunden später als in Galtür – eine trockene Scheebrettlawine durch den Graben des „Inneren Riefenbaches" und überschüttete dessen Schwemmkegel fast zur Gänze. Durch diese Staublawine wurde der Weiler „Untervalzur" des Ortsteils Mathon (Gemeinde Ischgl) weitgehend zerstört. Von der Lawine verschüttet bzw. betroffen waren 12 Personen, davon wurden 7 getötet und 3 leicht verletzt. 6 Wohn- und 1 Wirtschaftsgebäude wurden zerstört, 1 Wohngebäude schwer beschädigt. Aufgrund seiner Lage in einer Gelben Zone – und wohl auch als Reaktion auf das Ereignis in Galtür – war die Evakuierung von Untervalzur bereits im Gange. Die Personenschäden sind zum Teil auch auf eine Verkettung unglückseliger Umstände zurückzuführen.
 

Veröffentlicht am 11.12.2012, BMLFUW IV/5