Wildbach- und Lawinenereignisse vor 1882

Naturkatastrophen bedrohen den menschlichen Lebensraum

In der Zeit vor 1882, also vor Gründung der Wildbach- und Lawinenverbauung in Österreich, wurde der Lebensraum in den Alpen immer wieder von verheerenden Naturkatastrophen heimgesucht.

Zahlreiche historische Quellen wie das „Hausbüchl der Stampferin" aus Vordernberg (Steiermark, 1690), das „Chronikbuch des Franz Stippler" aus Längenfeld (Tirol, 1762) oder die „Brixner Chronik" aus 1891 geben Zeugnis von den Verheerungen, die Hochwasser, Murgänge, Lawinen und Felsstürze in den Bergtälern ausübten. Viele Katastrophen der letzten Jahrhunderte sind nur bruchstückhaft überliefert, einige Ereignisse blieben jedoch aufgrund der außergewöhnlichen Zerstörung oder hohen Zahl an Todesopfern in nachhaltiger Erinnerung.

» Katastrophale Murgänge und Höchwässer führen zur Zerstörung ganzer Orte:
   Schwaz (600), Matrei/Osttirol (1347), Bad Hofgastein (1569), Zell am See (1737)
» 1517: eine Darstellung in der Biographie des Kaisers Maximilian gilt als älteste Bildquelle einer Lawine
» Lawinenwinter 1689: 256 Todesopfer
» Naturkatastrophen in der Gemeinde Längenfeld (Tirol): Murgänge führen zur Aufgabe mehrerer Dörfer
   (Moos, Taufers)
» Gletscherseeausbrüche führen zur wiederholten Überflutung des Ötztals (Tirol)
 
Hochwasser im Bretterwandbach 1347
Der Ort Matrei in Osttirol wurde bereits 1347 von einem verheerenden Hochwasser aus dem Bretterwandbach fast völlig zerstört. Auch in den folgenden Jahrhunderten wurde der Ort von Hochwasser und Muren wiederholt verwüstet, insgesamt 27-mal im Laufe der Geschichte. 

Murgang im Rastötzenbach 1569
Der Gasteiner Chronik ist zu entnehmen, dass am 14. Juni 1569 zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags ein Unwetter einen verheerenden Murgang im „Kirchpach in der Rastözen" auslöste, welcher im Markt Hofgastein 52 Häuser samt Mühlen, Schmieden und Badstuben zerstörte. 147 Menschen fanden durch diese Flut den Tod. 

Lawinenwinter 1689
Die Lawinenkatastrophe 1689 wird als die größte zivile Lawinenkatastrophe der Alpen genannt. Bei Lawinenabgängen in Tirol und Vorarlberg waren 256 Tote zu beklagen. Die Lawinenabgänge dieses Katastrophenwinters forderten allein im Montafon 120 Todesopfer, 119 Häuser wurden zerstört. In der Gemeinde Bichlbach (Tirol) zerstörte eine Staublawine (Wiestallawine) die Kirche und 11 Häuser, 46 Menschen wurden verschüttet, 21 davon starben.

„Gott der Allmächtige hat am zweyten, dritten und vierten Tag Februar 1689 einen so großen Schnee fallen lassen, dass in unserem Tal Muntafon viele Menschen und Vieh durch die herabfallende Lawine neben viel Häuser, Ställ, Speicher, Bäume und andere Gemächer zugrund gegangen sind. Auch viele Güter grausam verderbt geworden.“ (Abschrift aus einer Vorarlberger Chronik des Lawinenwinters 1689)
 
Hochwasser im Schmittenbach 1737
Am 3. Juli 1737 wurde Zell am See von der bis dahin größten Katastrophe heimgesucht. Riesige Schottermassen drangen in den Ort ein, begruben Menschen, Tiere und Häuser unter sich und zerstörten einen Großteil des Ortes. 
 

Entstehung des Schesatobel seit 1796
Als Beginn der Entstehungsgeschichte des Schesatobels bei Bludenz, des größten Bruchkessels der Alpen, kann das Jahr 1796 genannt werden, als durch Schlägerungsarbeiten eine Runse entstand. 1823 ereignete sich ein Murstoß, der das ganze 80 ha große Gebiet von Außerfeld einschließlich eines großen Bauernhofes übermurte. 1885 wurde sogar das Flussbett der Ill von den Murmassen der Schesa abgeriegelt, was in der Folge zu großflächigen Überschwemmungen durch die Ill führte. 

Hochwasserkatastrophe 1851 in Kärnten
Im Spätherbst dieses Jahres ereigneten sich in ganz Oberkärnten zahlreiche Erdrutsche und Vermurungen durch Wildbäche. Der Markt Greifenburg wurde durch insgesamt 200.000 m³ Geschiebe verwüstet. Das Hochwasser der Drau wurde bis Lavamünd als „Jahrhundert-Ereignis" bewertet.

„Als der Tag des 2. November da war, war auch unser Unglück vollendet. Vom oberen Thorwege herab brausten den abschüßigen Marktplatz entlang braune Wogen, ihren Gischt bis in die ersten Stockwerke speiend, und donnernde Blöcke rollten durch den unteren Bogen ........ hinaus, ihr Verderben über die unterliegenden Felder ausströmend! ..... so erfolgte nun allmählig der gänzliche oder theilweise Einsturz der Häuser, eines nach dem andern, mit Ausnahme weniger.“
(Zitat aus „Klagenfurter Zeitung“, datiert mit „Greifenburg, 6.November 1851“)

Veröffentlicht am 11.12.2012, BMLFUW IV/5