Talzuschub Gradenbach

Unscheinbar und dennoch gefährlich, wie ein „Wolf im Schafspelz"

In den Alpen gibt es unzählige Talzuschübe, vor allem entlang der Bergflanken ehemals vergletscherter, und dadurch übertiefter Täler. Für das ungeübte Auge sind diese großflächigen Hangdeformationen kaum wahrnehmbar. Aber es gibt zahlreiche Indizien, die vom Experten wie Puzzleteile zum Ganzen zusammengefügt werden können. Dies ist sehr wichtig, denn seit Jahrhunderten geraten Menschen und deren Siedlungen durch Talzuschübe immer wieder in Gefahr. Dazu zählt auch der Gradenbach-Talzuschub.

» Fläche: Ca. 2 km²

» Bewegungsgeschwindigkeit: Bis mehrere dm pro Jahr
» Murschuttvolumen: Etwa 1 Mio. km³
» 15 Anwesen müssen im alten Weiler Putschall verlassen werden
» Verbauungskosten: 8 Mio. Euro

Talzuschub im Gradenbach
Dieser Talzuschub befindet sich am Ausgang des Gradentales in das Mölltal, ca. 5 km südlich von Heiligenblut. Dort erstreckt er sich an der Südostflanke des Eggerwiesenkopfes mit einer Fläche von über 2 km² von der Grabensohle bis zum Bergkamm. Das Gradental hat in der Vergangenheit immer wieder aufgrund von Hochwasser und einhergehender Schuttführung zu Problemen geführt.
 

In den Jahren 1965 und 1966 wurde die Ortschaft Putschall im Mölltal verwüstet, weil insgesamt etwa 1 Mio. m³ Murschutt aus dem Gradental in den Bereich des Schwemmkegels, auf dem die Ortschaft Putschall liegt, verfrachtet wurde. Teile der Siedlung waren meterhoch unter dem Murschutt begraben, 15 Häuser mussten aufgegeben werden und die Mölltaler Bundesstraße wurde auf einer Länge von 300 m zerstört. Ähnliche Ereignisse, wenn auch nicht mit vergleichbarem Schadensausmaß, ereigneten sich dort auch in den Jahren 1882, 1903, 1935, 1942, 1957 und 1975.

Wildbach und Massenbewegung: Eine unheilvolle Kombination
Die Quellen der enormen Schuttmassen sind vornehmlich in den unteren Hangflanken des Gradentales zu suchen, wo der Fels beispielsweise im Bereich des Gradenbach-Talzuschubs immer wieder aufgrund der tiefgründigen, kriechend-rutschenden Bewegungsvorgänge stark zerschert und aufgelockert wird. Damit wird auch das Gestein erosionsanfälliger und kann im Fall eines Hochwassers leicht abgetragen werden.
Die ersten Wildbachverbauungen wurden bereits in den 1930er Jahren vorgenommen. Später, nach den Ereignissen von 1965 und 1966, wurden im Zeitraum von 1967 bis 1971 insgesamt 24 armierte Betongrundschwellen errichtet, um die Sohle des Gradenbaches zu heben und um den Wildbach in seinem Bett zu halten.

Verstärkte Hangbewegungen in den Jahren 1972 und 1975 führten jedoch zu starken Schäden bzw. zur Zerstörung vieler Geschiebesperren, so dass immer wieder Instandsetzungsarbeiten erforderlich waren. Seit 1980 kam es jedoch zu keinen extremen Hochwasserereignissen mehr. Ebenso waren auch die Bewegungsraten an der bachnahen Stirn des Talzuschubes über lange Zeit mit etwa 11 cm/Jahr relativ gering. Dieses Bild hat sich jedoch im Jahr 2009 gewandelt, als im Frühjahr dieses Jahres die Talzuschubstirn wieder Bewegung aufnahm. Bis zum Sommer betrug die mit einem Drahtextensitometer festgestellte Verschiebung mehr als 40 cm.
 

Veröffentlicht am 11.12.2012, BMLFUW IV/5