Historische Sturzereignisse vor 1882

Die Bergstürze das Dobratsch (Kärnten) und der Felssturz am Mönchsberg (Salzburg)

In historischer Zeit fanden viele Berg- und Felssturzereignisse statt. Aufgrund der verheerenden Folgen sind jene vom Dobratsch und Mönchsberg in historischen Quellen recht gut dokumentiert. 

Dobratsch-Bergsturz
» Datum: 25. Jänner 1348
» Evakuierungen: Mehrere Siedlungen von Überflutung betroffen
» Schäden: Vegetation, Wege und Straßen Mönchsberg-Felssturz
» Datum: 16. Juli 1669
» Schäden: 1 Kloster, 1 Kirche, 1 Kapelle, 13 Häuser
» Tote: 250

Die Dobratsch-Bergstürze
Am 25. Jänner 1348 wurden am Dobratsch (Villacher Alpe) durch ein Erdbeben Bergstürze ausgelöst. Unter den Schuttmassen wurde das Flussbett der Gail begraben, so dass sich ein See aufstaute. Dieser bis zu 13 Kilometer lange und mehr als 15 Meter tiefe Bergsturzsee brach sich später einen neuen Lauf durch die Sturzmassen, was talabwärts flutartige Überschwemmungen verursachte.
 

Bereits im Mittelalter war dieser Bergsturz immer wieder thematisiert worden. So tauchte die Sage auf, dass der Bergsturz vom Dobratsch mehrere Dörfer, Schlösser und Kirchen unter sich begraben hätte. Heute ist bekannt, dass dieser in ein unbesiedeltes Gebiet erfolgte. Allerdings mussten zwei Dörfer wegen der Überflutung, die durch den Rückstau der Gail verursacht wurde, aufgegeben werden.
 

Anfang des letzten Jahrhunderts konnte aufgezeigt werden, dass der größte Teil des heute im Tal liegenden Bergsturzmaterials gar nicht vom Bergsturz von 1348, sondern von mehreren älteren prähistorischen Bergsturzereignissen herrührt. Prähistorische und historische Abrissnarben sind auch heute noch gut voneinander zu unterscheiden. So sind die alten Abrisse bereits grau verwittert, die Jüngeren noch frisch und rötlich gefärbt. Alle Bergstürze des Dobratsch zusammen führten zu einer beeindruckenden Bergsturzlandschaft, die bereits im Jahre 1942 auf einer Fläche von 1.900 Hektar unter Naturschutz gestellt worden ist.
 

Der Mönchsberg-Bergsturz
Am 16. Juli 1669 ereignete sich am Mönchsberg in Salzburg ein Felssturz, durch den ein Kloster, die Kirche St. Markus, die Kapelle am Berge, 13 Häuser und etwa 220 Menschen verschüttet wurden. Etwas später lösten sich abermals etwa 400 m³ Fels, durch die 30 weitere Menschen erschlagen wurden, welche zur Rettung herbeigeeilt waren. Als Ursache dieses Unglücks gilt die unkoordinierte Aushöhlung des Bergfußes durch in den Berg gehauene Keller und Gewölbe. Angeblich war der Schuttberg so hoch, dass darauf der Mönchsberg erklommen hätte werden können.
 
Die Bergputzer
Bereits 1574 wurden am Mönchsberg Bergputzer eingesetzt, um die schroffen Felsen ab und zu von losem Gestein zu befreien. Seit 1778, nachdem im Lungau ein halbes Dorf durch einen Felssturz verschüttet worden war, wurden alle Felshänge in Salzburg jährlich in Augenschein genommen. Deshalb konnte bereits 1779 über der Linzergasse eine 200 Zentner schwere lose Felspartie entdeckt werden, die anschließend gezielt und sicher zu Fall gebracht wurde. Mittlerweile werden jedes Jahr etwa 300.000 m² Felsfläche durch Bergputzer überprüft.

Veröffentlicht am 11.12.2012, BMLFUW IV/5