Herbst-Katastrophen 1965 und 1966

Kärnten und Osttirol innerhalb von 15 Monaten dreimal schwer betroffen

Insgesamt waren die beiden Jahre 1965 und 1966 eher kühl und außerdem reich an starken Niederschlägen: So waren Niederschlagstagessummen zu verzeichnen, die der durchschnittlichen Monatssumme entsprachen, und es traten Niederschlagsmonatssummen auf, die vereinzelt sogar die vierfache durchschnittliche Monatssumme erreichten. Das Abschmelzen kurzzeitiger Schneedecken in den Hochlagen verstärkten die hohen Abflussraten in den Flüssen und Bächen ebenso wie die Wassersättigung der Böden. Dieser Umstand vermehrte auch die Zahl der auftretenden Rutschungen.
 

Der schneereiche Winter 1964/65 bewirkte zahlreiche, teilweise auch Schaden verursachende Lawinenabgänge. Bereits im April 1965 traten schon die ersten Hochwässer in der Steiermark und in Niederösterreich am östlichen Alpenrand auf. Es folgten im Mai und Juni 1965 Starkniederschläge mit Katastrophenereignissen in den nordalpinen Gebieten von Vorarlberg bis Niederösterreich. Im August 1965 waren infolge des Abschmelzens großer Schneemengen Hochwässer in den hochalpinen Gebieten Österreichs zu verzeichnen.


» Extreme 2-Tages-Niederschläge in Südösterreich:
   Luggau/Gailtal 270 mm (1. und 2. September 1965),
   Lienz/Osttirol 258 mm (3. und 4. November 1966) (entspricht ca. 20–25 % des  Jahresniederschlags)
» Insgesamt 64 Todesopfer, davon 20 Tote in Kärnten durch Murgänge und Hangrutschungen
» Langdauernde Verkehrsunterbrechungen:
   Osttiroler Bundesstraßen waren nach dem Hochwasser vom September 1965 an 43 Stellen unterbrochen; Verkehr auf der Bahnstrecke Spittal/Drau und Innichen erst im Herbst 1965 wieder möglich (Unterbrechung: 2,5 Monate)

Drei Unwetter-Katastrophen in Folge

Alle diese Ereignisse wurden aber durch die Katastrophen in Kärnten und Osttirol übertroffen, wo innerhalb von 15 Monaten insgesamt drei Unwetter-Katastrophen ihre Spuren hinterließen: im September 1965, August 1966 und November 1966.
Auslöser dieser für den Südalpenbereich typischen, großräumigen „Herbst-Katastrophen" war die massive Zufuhr feuchter Warmluft aus dem Süden (November 1966) bzw. das Aufgleiten von feuchter Warmluft aus dem Mittelmeerraum auf die zuvor aus dem Norden eingeströmte Kaltluft (September 1965 und August 1966).

Je nach Menge, Dauer und Geschwindigkeit der Zufuhr dieser Luftmassen können sich die aus der feuchten Warmluft entstehenden Niederschlagsmengen bis zu tropischen Ausmaßen steigern. Da die Erhitzung der mediterranen Warmluft im Sommer am größten ist, sind im Süden Österreichs die Monate August bis November die für großräumige Katastrophen anfälligsten Monate des Jahres.


Konsequenzen: Schaffung des Katastrophenfonds
Die drei Katastrophen im Süden Österreichs haben Schäden verursacht, welche die vorangegangenen Katastrophen des Jahres 1965 im übrigen Österreich weit in den Schatten stellten. Sie waren so groß, dass umgehend durch das

Katastrophenfondsgesetz 1966 eine auf Dauer gesicherte Basis für die Finanzierung des Schutzwasserbaus und der Wildbach- und Lawinenverbauung in Österreich geschaffen wurde. Die in dieser Zeit geschaffene Finanzierungsgrundlage des Katastrophenfonds besteht bis heute.

Veröffentlicht am 11.12.2012, BMLFUW IV/5